Praktische Theologie by Christian Grethlein

Praktische Theologie by Christian Grethlein

Autor:Christian Grethlein
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Walter de Gruyter
veröffentlicht: 2016-02-29T16:00:00+00:00


§ 17 Schule als Lebensraum für Heranwachsende

Literatur: HELMUT FEND, Geschichte des Bildungswesens. Der Sonderweg im europäischen Kulturraum, Wiesbaden 2006 – CHRISTIAN GRETHLEIN, Religionspädagogik, Berlin 1998, 385–468 – CHRISTIAN GRETHLEIN, Fachdidaktik Religion, Göttingen 2005 – KARL ERNST NIPKOW, Bildung als Lebensbegleitung und Erneuerung. Kirchliche Bildungsverantwortung in Gemeinde, Schule und Gesellschaft, Gütersloh 1990 – HORST RUPP, Schule/Schulwesen, in: TRE 30 (1999), 591–627 – BERND SCHRÖDER, Religionspädagogik, Tübingen 2012, 522-681 – HEINZ-ELMAR TENORTH, „Alle Alles zu lehren“. Möglichkeiten und Perspektiven allgemeiner Bildung, Darmstadt 1994

Heranwachsende gehen heute meist mindestens zehn Jahre zur Schule. In Vielem komplementär zur Familie843 bildet sie auf Grund der Schulpflicht die einzige für alle verpflichtende Institution in Deutschland. Ihre weit über Fachkenntnisse hinausgehenden Wirkungen fasst der Pädagoge Heinz-Elmar Tenorth zusammen:

„In Schulen (wenn auch nicht nur dort) erwerben die Heranwachsenden die Kulturfertigkeiten, mit denen sie am Alltag moderner Gesellschaften teilnehmen können; in Schulen erwerben sie aber auch Kompetenzen, ihr Leben selbst als einen Lernprozeß zu verstehen und zu gestalten, und zwar mit Hilfe von Fähigkeiten, Lernstrategien, Motiven und Interessen, die sie organisiertem Unterricht verdanken. Schulen tragen deshalb (wenn auch nicht allein) zur Konstruktion von Persönlichkeiten bei; sie vermitteln den Heranwachsenden ein Bild ihrer Möglichkeiten und Grenzen, bestätigen und überformen Selbstbilder, Motive und Interessen, die in Familien basal ausgebildet wurden, und sie vermitteln, manifestiert in Zertifikaten, lebenslaufbegleitende und z. T. entscheidende Symbole eigener Fähigkeiten: Zeugnisse haben diese Funktion manifest, in Selbstbildern der eigenen Fähigkeiten verarbeitete Schulerfahrungen latent (und um so folgenreicher).“ (TENORTH 155)

Schule ist auch – aus historischen und sachlichen Gründen – eine wichtige Institution für die Kommunikation des Evangeliums.844 Dabei spielen sowohl der von den meisten Schüler/innen besuchte Religionsunterricht als auch das Schulleben eine wichtige Rolle.

In modifizierter Weise gilt dies ebenfalls für den Ethikunterricht“ (bzw. „Werte und Normen“ bzw. „Praktische Philosophie“ bzw. – noch einmal different – „Lebensgestaltung – Ethik – Religionen“).845 Die – auch – christliche Prägung der staatlich verbindlichen Grund- und Menschenrechte846 erfordert in diesem weltanschaulich neutralen Unterrichtsfach eine Beschäftigung mit dem Christentum. Insofern enthält der Ethikunterricht eine Form von Religionsunterricht, allerdings nicht im Sinn von Art. 7,3 GG.847

Durch die mit der Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht verbundene Verstaatlichung von Schule begegnet in dieser Institution das Problem der Kontextualisierung der Kommunikation des Evangeliums in besonderer Weise. Grundsätzlich ist darauf zu achten, dass es nicht zu einem institutionellen Übergriff von Kirche auf die staatliche Schule kommt. Vielmehr nehme ich auf der inhaltlichen Ebene das Potenzial von Schule für die Kommunikation des Evangeliums in den Blick und bedenke es in seiner pädagogischen Bedeutung.



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