Jesus von Nazareth: Prolog - Die Kindheitsgeschichten (German Edition) by Benedikt XVI.

Jesus von Nazareth: Prolog - Die Kindheitsgeschichten (German Edition) by Benedikt XVI.

Autor:Benedikt XVI.,
Die sprache: deu
Format: mobi
Herausgeber: Herder Verlag
veröffentlicht: 2012-11-20T23:00:00+00:00


4. KAPITEL

DIE WEISEN AUS

DEM MORGENLAND

UND DIE FLUCHT

NACH ÄGYPTEN

Der historische und geographische Rahmen der Erzählung

Kaum eine biblische Erzählung hat so sehr die Phantasie, aber auch das Forschen und Nachdenken angeregt wie die Erzählung von den „Magiern“ aus dem „Land des Sonnenaufgangs“, die der Evangelist Matthäus unmittelbar an die Nachricht von der Geburt Jesu anschließt: „Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Magier (Sterndeuter) aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen“ (2,1 f).

Hier finden wir als Erstes die Fixierung des historischen Rahmens mit dem Hinweis auf den König Herodes und auf den Geburtsort Bethlehem. Eine historische Person und ein geographisch ausweisbarer Ort werden genannt. Aber in beiden Fakten sind zugleich auch schon Elemente der Deutung mitgegeben. Rudolf Pesch hat in seinem kleinen Buch Die matthäischen Weihnachtsgeschichten mit Nachdruck die theologische Bedeutung der Gestalt des Herodes dargestellt: „Wie im Weihnachtsevangelium (Lk 2,1–21) zu Beginn der römische Kaiser Augustus genannt wird, so beginnt die Erzählung von Mt 2 entsprechend mit der Nennung des ‚Königs der Juden‘ Herodes. War dort der Kaiser mit seinem Anspruch auf die Befriedung der Welt der Antipode des neugeborenen Kindes, so ist es hier der von Gnaden des Kaisers herrschende König – und zwar mit seinem quasi-messianischen Anspruch, zumindest für das Judäische Reich der Erlöser zu sein“ (a. a. O., S. 23 f).

Bethlehem ist der Geburtsort von König David. Die theologische Bedeutung dieses Ortes wird im Lauf der Erzählung durch die Antwort der Schriftgelehrten auf die Frage des Herodes, wo der Messias geboren werden solle, noch näher beleuchtet werden. Dass die geographische Lage von Bethlehem durch den Zusatz „in Judäa“ näher bestimmt wird, könnte vielleicht auch eine theologische Nebenabsicht in sich tragen. Im Jakobssegen sagt der Patriarch prophetisch zu seinem Sohn Juda: „Nie weicht von Juda das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt“ (Gen 49,10). In einer Erzählung, die vom Kommen des endgültigen David, des alle Völker rettenden neugeborenen Königs der Juden handelt, ist diese Weissagung irgendwie im Hintergrund mitzuhören.

Mit dem Jakobssegen zusammenzulesen ist noch ein in der Bibel dem heidnischen Propheten Bileam zugeschriebenes Wort. Bileam ist eine historische Gestalt, für die es eine außerbiblische Bestätigung gibt. 1967 wurde im Ostjordanland eine Inschrift entdeckt, in der Bileam, der Sohn Beors, als „Seher“ autochthoner Gottheiten erscheint, dem Heils- und Unheilsankündigungen zugeschrieben werden (vgl. Hans-Peter Müller, a. a. O.). Die Bibel führt ihn als Weissager im Dienst des Königs von Moab ein, der von ihm eine Verfluchung Israels erbittet. Dies zu tun, wie Bileam es vorhatte, wird von Gott selbst so verhindert, dass der Prophet statt Fluch Segen für Israel verkündet. In der biblischen Überlieferung wird er trotzdem als Verführer zum Götzendienst abgewertet und stirbt einen Straftod (Num 31,8; Jos 13,22). Umso wichtiger bleibt die Heilsverheißung, die ihm, dem Nichtjuden und Diener anderer Götter, zugeschrieben wird und offensichtlich auch außerhalb Israels bekannt war. „Ich sehe ihn, aber nicht



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