Die Blendung. by Canetti Elias

Die Blendung. by Canetti Elias

Autor:Canetti, Elias [Canetti, Elias]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: 2002; Kein Verkauf!!, German Language Book, non-profit scan by tg/nachti
ISBN: 9783596206964
Google: ypx5SQAACAAJ
Amazon: 3446170170
Herausgeber: Carl Hanser
veröffentlicht: 1972-01-01T23:00:00+00:00


hatte und den Kanalräumer für den Verläßlichsten hielt, zog er ihn zum größten Ärger des Hausierers den andern vor.

»Sie sind ein guter Vater«, sagte er ihm, »drum hab’ ich gleich an Sie gedacht. Ein Mensch, der 75% von seinem Lohn bar an sein Weib abführt, ist Gold wert. Also passen Sie gut auf und stürzen Sie sich nicht in Ihr Unglück. Es war’ schad’ um die herzigen Kinder.« Er bekomme ein Paket von ihm, das Paket heiße »Kunst« – »sprechen Sie nach: Kunst!« »Jetzt glauben S’, i waas net, was a Kunst is! Weil i der Frau so viel gib!« Der Kanalräumer wurde im Himmel wegen seiner Fami-lienverhältnisse, um die man ihn beneidete, beharrlich verhöhnt. Durch zahllose Hiebe gegen seinen plumpen Stolz holte Fischerle das Wenige, was der Mensch an Intelligenz besaß, aus ihm hervor. Dreimal schärfte er ihm den Weg auf das genaueste ein. Der Kanalräumer war noch nie im Theresianum gewesen. Notwendige Gänge besorgte seine Frau für ihn. Der Geschäftsfreund stehe hinter der Glastür beim Fenster. Er sei lang und mager. Man gehe langsam an ihm vorüber, rede kein Wort, kein Wort und warte, bis er einen anspreche. Dann brülle man laut: »Kunst, Herr! Unter zweihundert Schilling gibt’s nix! Lauter Kunst!« Vor einer Buchhandlung hieß dann Fischerle den Kanalräumer warten. Drinnen kaufe er seine Ware ein.

Zehn billige Romane ä zwei Schilling wurden zu einem eindrucksvollen Paket zusammengebunden. Dreimal wurden die früheren Anweisungen wiederholt; es war anzunehmen, daß selbst dieser Dummkopf alles begriffen hatte. Sollte der Geschäftsfreund das Papier von den Büchern abstreifen wollen, so müsse er es fest an sich drücken und »Nein! Nein!« brüllen. An einem bestimmten Platz hinter der Kirche habe er sich mit Geld und Paket wieder einzufinden. Dort werde er entlohnt. Unter der Bedingung, daß er keinem Menschen, auch den übrigen Angestellten nicht, von seiner Arbeit erzähle, dürfe er sich morgen um Punkt neun Uhr wieder hinter die Kirche stellen.

Für ehrliche Kanalräumer habe er, Fischerle, ein Herz, es 340



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