Skizze eines Sommers by André Kubiczek

Skizze eines Sommers by André Kubiczek

Autor:André Kubiczek [Kubiczek, André]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Roman
ISBN: 9783644120419
Herausgeber: Rowohlt E-Book
veröffentlicht: 2016-04-10T22:00:00+00:00


What you cannot have sir

You must kill

You must kill

And I say to you

It’s been hell.

Und dann gleich wieder von vorne:

Bianca

Am nächsten Morgen wachte ich vom Rauschen der Toilettenspülung auf. Ich stand wie eine Eins im Bett und sah mich in meinem Zimmer nach einem Gegenstand um, der sich als Waffe benutzen ließ. Fand aber auf den ersten Blick nichts, womit ich den Eindringling auf Distanz hätte halten können.

Außer den vertrockneten Pinseln.

Und den beiden Flaschen Reparaturlack.

Damit konnte ich zur Not werfen.

Oder war etwa mein Vater zurück? Weil er sich danebenbenommen hatte in seinem gelben Mantel? Oder hatten sie gar den Weltfrieden ausgehandelt, da in Genf, und waren jetzt fertig?

Ich hörte die Badezimmertür klappen und dann Schritte im Flur, und als Nächstes klopfte es leise an meine Tür, und eine Stimme wisperte: «René?»

Ich sprang hoch und sagte probehalber: «Ja?»

Die Tür ging einen Spaltbreit auf, und der Kopf von Michael schob sich herein.

«Was machst du denn hier?»

«Tut mir leid», sagte Michael, «ich hab auf dem Sofa gepennt. – Hast du was gegen Kopfschmerzen?»

«Keine Ahnung, guck mal im Spiegelschrank nach, überm Waschbecken.»

«Danke», hauchte Michael. Er sah echt nicht gut aus. Als ich in die Küche kam, um uns einen Kaffee zu machen, sah ich auch, warum. Da stand eine vollkommen leere Flasche Napoléon auf der Anrichte, und Flasche Numero sechs war auch schon zur Hälfte perdu.

«Ich hab mich einfach hingelegt», sagte Michael, «nachdem Dirk gegangen ist.»

«Echt? So hacke warst du, dass du’s nicht mehr nach Hause geschafft hast?»

«Ich hätte es schon noch geschafft, aber ich wollte lieber hierbleiben. Wegen meinem Alten.»

«Was ist denn mit dem?»

«Der ist ein Arschloch.»

«Jetzt, wo du’s sagst.»

«Der hätte mich sowieso am liebsten ganz raus aus der Wohnung. Darum kotzt er ja so ab, dass ich weiter zur Penne geh und keinen Beruf lerne in irgendeinem Kuhdorf mit Lehrlingswohnheim. – Ey, und wenn ich dann noch besoffen ankomme …»

«Willst du was essen?»

«Ich krieg nichts runter.»

«Ich mach uns Rühreier», sagte ich.

Mit dem Kaffee und den Rühreiern setzten wir uns auf den Balkon und vertrödelten dort bis zum Mittag die Zeit.

«Wie lange ist denn dein Alter noch in der Schweiz?», fragte Michael irgendwann.

«Bis zur letzten Augustwoche.»

«Meinst du, ich könnte für ’ne Weile bei dir einziehen?»

«Ich weiß ja nicht.»

«Oder wenigstens ab und zu mal hier schlafen?»

«Ich fahr wahrscheinlich selber noch zu meinen Großeltern.»

«Dann geh ich eben wieder nach Hause.»

«Trotzdem.»

«Ich kann für uns kochen.»

«Du kannst kochen?»

«Klar, kann ich kochen.»

«Na ja.»

«Also was jetzt?»

«Das kann mächtig nach hinten losgehen», versuchte ich noch einmal, seine Bitte abzuwimmeln, «nicht nur das mit dem Kochen, meine ich.»

«Quatsch, mit uns beiden doch nicht. – Ich heiße nicht Dirk.»

«Ach, was soll’s: meinetwegen.»

«Cool.»

«Aber erst mal nur für eine Woche, zur Probe.»

«Schon klar: Du machst hier die Regeln, René», sagte Michael.

Ich gab ihm unser Gästeschlüsselbund, das immer meine Oma benutzte, wenn sie zu Besuch war, und das früher meiner Mutter gehört hatte, und Michael machte sich vom Acker, um ein paar Sachen von zu Hause zu holen. Eine Stunde später war er wieder da, mit einem Koffer in der Hand.

«Das sieht aus, als ob du in den Urlaub fährst», sagte ich.



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