Schnappschuss by Disher Garry

Schnappschuss by Disher Garry

Autor:Disher, Garry [Garry, Disher]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Unionsverlag
veröffentlicht: 2006-10-06T16:00:00+00:00


31

Tessa Kane arbeitete lange und brütete noch über den Ton ihres Gespräches mit Ellen Destry nach. Gespräch? Wohl eher Verhör. Destry war offen feindselig gewesen. Nun war es zehn Uhr nachts, sie schloss das Büro ab und hatte gerade die Schlüssel in ihre Tasche fallen lassen, als eine Stimme knurrte: »Halten Sie sich aus meinem Privatleben raus.«

Tessa erschrak fürchterlich. Sie war überzeugt, dass man ihr aufgelauert hatte. Der anonyme Anrufer wurde immer dreister, suchte den persönlichen Kontakt, gab sich nicht länger mit Drohbriefen und zerschmissenen Fensterscheiben zufrieden. Tessa schluckte und zwang sich, sich umzudrehen. »Mr. Mead«, sagte sie und war merkwürdig erleichtert.

Ihre Erleichterung hielt nicht lange vor.

»Was schneien Sie unangemeldet bei meiner Frau herein?«

Mead trug einen schweren Mantel, seine Schuhe glänzten, und Regentropfen sprenkelten sein Gesicht, was ihm einen Ausdruck von starken, kaum beherrschbaren Gefühlen verlieh. Er machte einen Schritt auf Tessa zu und trat dabei aus dem Schein der nächsten Straßenlaterne heraus. Tessa sah an ihm vorbei und suchte nach hilfsbereiten Passanten oder Fluchtmöglichkeiten, doch der Eingang zum Progress befand sich an der Gebäudeseite, nicht an der Vorderfront, und lag hinter Büschen verborgen. Der stetige Verkehrsstrom auf der Hauptstraße bot ihr da keinen Trost, und auf dem Bürgersteig waren keine Fußgänger zu sehen.

»Ich werde Ihnen nichts tun, Sie dumme Kuh«, sagte Mead. »Ich warne Sie, halten Sie sich von meiner Frau fern.«

»Ich wollte nur –«

»Lassen Sie es einfach, okay?«

In seinem Gesicht blitzte kurz etwas auf, nicht Wut, sondern Zweifel.

Tessa spürte, wie sie wieder Mut schöpfte. »Alles, was ich will, ist ein anderer Blickwinkel.«

»Fragen Sie mich doch, wenn Sie so scharf darauf sind.«

»Das habe ich. Nützliches ist dabei nicht herausgekommen.«

Mead hatte sich wieder gefangen und war ganz der Alte. Er rümpfte verächtlich die Nase. »Bei mir gibt es keine Sonderbehandlung. Die Informationen, die ich Ihnen gegeben habe, sind dieselben, die die Medien in Melbourne und im ganzen Land erhalten.«

»Das ist doch alles PR-Bockmist, mehr nicht. Ich schreibe meine Storys selbst. Ich käue nicht irgendeine Presseerklärung wieder. Sie haben noch immer nicht auf meine Anschuldigungen geantwortet hinsichtlich der falschen Belegungszahlen und der gefälschten Berichte, die von Ihren Abteilungsleitern eingereicht worden sein sollen. Da gibt es eine Menge an Unregelmäßigkeiten, die ich zu klären beabsichtige.«

»Na, dann strengen Sie sich mal an.«

»Und was gedenken Sie wegen der Selbstverstümmelungen zu unternehmen?«

Charlie Mead bleckte seine scharfen Zähne und ging davon. »Ich habe allen meinen Mitarbeitern psychologische Betreuung zur Traumaverarbeitung angeboten.«

Tessa langte es. Als sie nach Hause kam, warf sie ihren Laptop an, stellte sich ein Glas Rotwein parat und fischte im Internet nach allem, was sie dort über Charlie Mead finden konnte.



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