Sagen und Märchen Altindiens by Alois Essigmann

Sagen und Märchen Altindiens by Alois Essigmann

Autor:Alois Essigmann [Essigmann, Alois]
Die sprache: rus
Format: epub
Tags: Maerchen
Herausgeber: Axel Juncker Verlag
veröffentlicht: 0101-01-01T00:00:00+00:00


Draupadi

Nicht lange nach Bhimas Sieg über den Riesen zog ein Brahmane aus Pantschala durch die Stadt. Er war auf einer Botenreise, um die Fürsten des Landes zu Draupadis Gattenwahl einzuladen.

Als der fromme Priester bei den Pandava übernachtete, erzählte er ihnen von der wunderbaren Geburt dieser schönen Jungfrau:

Drupada, der König von Pantschala, hatte Haslinapura mit Rachegedanken im Herzen verlassen. So sehr er den heldenkühnen Ardschuna bewunderte, so sehr haßte er den Waffenmeister Drona, dem er sein halbes Reich hatte geben müssen.

Zwei fromme Brahmanen, die im ganzen Land als Heilige galten, rüsteten auf des Königs inständige Bitte ein prunkvolles Opfer, und Drupada erflehte von den Göttern einen starken Sohn, der ihn an Drona räche. Da sprang ein glänzend gewappneter Jüngling und eine lotusduftende Jungfrau aus den Opferflammen als Zwillingspaar, welches die Götter, in ihrer Freude am Opfer, dem greisen König und seiner Gattin schenkten. Der Jüngling ward Dhrischtadjumna genannt und die schöne, schwarzlockige Jungfrau Draupadi.

Als die Pandava die Erzählung des Brahmanen gehört hatten, beschlossen sie, unerkannt, in ihren Büßerkleidern, an dem Feste am Hofe Drupadas teilzunehmen.

Am nächsten Morgen nahmen sie freundlichen Abschied von ihren dankbaren Wirten und schlugen den Weg nach Pantschala ein.

An der Ganga hatte Ardschuna einen schweren Kampf zu bestehen: Tschitrasena, der König der Gandharva, wollte die Pandava am überschreiten des Stromes verhindern. Doch Ardschuna besiegte ihn nach langem Kampf mit dem Bogen Agneya, den der Lieblingsschüler Dronas einst von seinein Waffenmeister erhalten hatte.

Der edle Bharataprinz schonte den Besiegten, die Schwester Tschitrasenas riet dem Bruder zur Versöhnung, und so schlossen die beiden Gegner nun ein aufrichtiges Freundschaftsbündnis. Ein frommer Brahmane namens Dhaumia, der an Tschitrasenas Hof lebte, schloß sich dort den fünf tapferen Brüdern an und ward der Hauspriester der Pandava.

Beim Abschied schenkte Ardschuna dem Tschitrasena die Waffe Agneya, und die fünf Brüder erhielten als Gastgeschenk hundert der herrlichen milchweißen Gandharverrosse. Sie ließen sie vorläufig in ihrem Stall, denn sie setzten ihre Reise als Büßer fort.

In Drupadas Residenz nahmen die Pandava im Hause eines redlichen Töpfermeisters Wohnung und heischten, als büßende Brahmanen von Haus zu Haus gehend, milde Gaben für ihren Unterhalt. Auch auf dem Festplatz erschienen sie nur in ihrer Verkleidung.

Der Tag der Gattenwahl kam heran, und die Edelsten Indiens zogen in die langgestreckte Arena.

Dhrischtadjumna, mit Draupadi an der Hand, trat in ihre Mitte und rief:

»Seid gegrüßt, ihr Herren der Erde, die ihr um die Schwester steht wie Speichen um eine Nabe: keiner der Erste, keiner der Letzte! Durjodhana, Prinz von Kuru, mit deinen Brüdern: sei uns gegrüßt! Und du Schischupala, mächtiger Herrscher von Tschedi, Schalya, König von Madras, Jarasandha und ihr anderen Herren und Fürsten: Heil euch und Gruß! und höret, wie Draupadi wählt:

Hier liegt ein mächtiger Bogen aus der Zeit unserer Väter, drei Menschenalter entspannt schon! Wer ihn besehnt und fünf glatte Rohrpfeile durch das Auge des silbernen Fisches am Ende der Bahn zu jagen vermag, den kürt die Schwester zum Gatten und folgt ihm noch heute nach Hause. – Auf, edelgeborene Krieger! der Preis ist des Sieges wert!«

Da trat Durjodhana vor, ergriff den Bogen, setzte das



Download



Haftungsausschluss:
Diese Site speichert keine Dateien auf ihrem Server. Wir indizieren und verlinken nur                                                  Inhalte von anderen Websites zur Verfügung gestellt. Wenden Sie sich an die Inhaltsanbieter, um etwaige urheberrechtlich geschützte Inhalte zu entfernen, und senden Sie uns eine E-Mail. Wir werden die entsprechenden Links oder Inhalte umgehend entfernen.