Mitte der Welt by Priess Ursula
Autor:Priess, Ursula [Priess, Ursula]
Die sprache: eng
Format: epub
veröffentlicht: 2013-09-11T00:00:00+00:00
PIONIERE VERGANGENER ZEITEN
Obwohl Magdalena ausschlieÃlich von ihren Klavierstunden lebt und zusehen muss, dass sie durchkommt, wehrte sie entschieden ab: Nein, Sie haben mich zum Konzert eingeladen, ich lade Sie zum Essen ein! Als ich es noch einmal versuchte, wirkte sie gekränkt.
Andererseits hat sie sich nicht gescheut, den Kellner zu bitten, dass er einpacke, was von den gebratenen Nierchen übrig blieb; und nahm das Päckchen, als er es mitsamt der Rechnung auf den Tisch legte, wie die Gabe eines Vasallen entgegen, königlich lächelnd.
Auch nach dem Konzert meine Frage, ob ich ihr den Mantel holen dürfe, quittierte sie mit diesem KöniginnenLächeln: Jetzt noch nicht, die Musiker muss ich ja noch begrüÃen!
Ob sie nach hinten in die Künstlergarderobe gehen möge.
Nein, nein, die kommen hier durch die Halle! Wissen Sie, alle haben Klavierunterricht gehabt bei mir, fast alle. Ich habe mit ihnen repetiert und geübt, mit einigen täglich, ja, auch mit Sängern. Sie sind meine »Kinder«, verstehen Sie, und ich muss unbedingt wissen, wie es ihnen geht.
Und tatsächlich, als diverse Musiker auf sie zueilten und sie ehrerbietig begrüÃten, erinnerte Magdalena von jedem die familiären und die beruflichen Verhältnisse und fragte nach, was seither gewesen sei und wie es weitergehe, sehr besorgt, dass alle ihre Schützlinge im Reich der Musik sich glanzvoll entfalten könnten, zum Lobe der Musik und zur Freude derer, die sie hörten.
DrauÃen auf der StraÃe dann, als ich ihr meinen Arm anbot, windig wie es heute ist, stürmisch fast, stampfte sie mit dem Fuà â was mit den hochhackigen Schuhen, die sie immer trägt, mädchenhaft kokett wirkte. Nein, ich brauche Ihren Arm nicht! Ich bin doch nicht gebrechlich! Ihr Lächeln dazu, kapriziös: Wenn Schnee liegt, vielleicht dann!
Wirklich ernst meint sie es wohl nur, wenn es um die Musik geht.
Studiert hatte Magdalena in Paris und bereits die Karriere einer Pianistin begonnen, als sie Sabahattin EyüboÄlu begegnete, dem Mann ihres Lebens, wie sie ihn nennt.
Sabahattin hatte, wie alle seine Geschwister auch, in Europa studiert, er in Paris; und dort, in Paris, hatten sie sich gefunden und wurden ein Paar, Magdalena und er; und zusammen kamen sie 1951 in die Türkei. So viel immerhin wusste ich. Heute beim Essen, hoffte ich, würde ich sie ausführlicher nach der EyüboÄlu-Familie fragen können und endlich auch nach ihr selbst.
Dass sie Schweizerin ist, aus Bern, ist unüberhörbar, wenn sie Deutsch spricht, und auch in ihrem Türkisch, das sie perfekt beherrscht, meine ich, klingt es mit.
Mein noch immer nur rudimentäres Türkisch findet sie unverzeihlich â Sie, die Sie sich für Literatur interessieren! Schönheit und Reichtum dieser Sprache wird sich Ihnen, das wissen Sie natürlich, erst erschlieÃen, wenn Ihnen die Sprache so selbstverständlich sitzt wie eine neue Haut. Seien Sie also fleiÃig, strengen Sie sich mehr an! Sie können das!
Dieser Ton, typisch Magdalena, ermunternd, ermutigend und gleichzeitig fordernd, obendrüber vergoldet mit ihrem Zauberlächeln.
Ja, auch sie erzählt immer von Leistungen anderer, künstlerischen, wissenschaftlichen, intellektuellen, sozialen, die sie lobt; niemals spricht sie abschätzig, über niemanden. Falls sie aber doch einmal sich ärgert, dann eben ihr kleinmädchenhaftes Aufstampfen, begleitet vom kecken Glitzern in ihren Augen, so schlimm sei es doch gar nicht.
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