Die Chronik des Eisernen Druiden 01 - Die Hetzjagd by Kevin Hearne

Die Chronik des Eisernen Druiden 01 - Die Hetzjagd by Kevin Hearne

Autor:Kevin Hearne
Die sprache: deu
Format: azw3, mobi, epub
Herausgeber: J.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH
veröffentlicht: 2013-06-07T22:00:00+00:00


14

BRIGHID war ein Traum. Ich glaube nicht, dass es jemals in der Geschichte eine schärfere Witwe gegeben hat. Obwohl sie von Kopf bis Fuß in einer Rüstung steckte und ich von ihrer eigentlichen Gestalt nicht mehr sehen konnte als Augen und Lippen, fühlte ich mich wieder wie ein geiler Teenager. Ich verspürte das dringende Bedürfnis, mit ihr zu flirten, aber da ich der Kerl war, der sie zur Witwe gemacht hatte, gab es da vielleicht eine gewisse Grenze, die ich besser nicht überschritt.

Ich räusperte mich und leckte mir nervös die Lippen. »Du willst einfach nur über seinen Tod sprechen?«, fragte ich. »Keine Einäscherung im Blitzverfahren oder etwas in der Art?«

»Erst reden wir«, sagte sie gebieterisch. »Was danach folgt, hängt davon ab, was du zu erzählen hast. Berichte mir also von seinem Tod.«

Ich berichtete ihr alles. Man versucht besser erst gar nicht, BRIGHID Lügen aufzutischen. Zwar ließ ich aus, wie ich hatte sehen können, dass BRES das Schwert gegen mich zückte – in der stillen Hoffnung, sie würde meine Halskette nicht bemerken oder wie viel Kraft in ihr steckte –, erzählte aber keine Unwahrheiten.

»Die MORRIGAN hat mir dasselbe berichtet«, sagte sie.

»Es war reine Notwehr, BRIGHID«, beteuerte ich.

»Das ist mir bewusst.« Ihr Ausdruck wurde weicher. »Und ehrlich gesagt, Druide, schulde ich dir sogar Dank. Du hast mich einer unangenehmen Aufgabe enthoben.«

Ich traute meinen Ohren nicht! BRIGHID hatte soeben gesagt sie schulde mir etwas. Das war ein großes Eingeständnis und nicht unbedingt das, was ich erwartet hatte. »Verzeihung? Ich verstehe nicht ganz.«

BRIGHID nahm den Helm ab, und ihr rotes Haar quoll auf die Schulterpanzer herab wie eine dieser selbstaufblasenden Rettungsinseln. Es war weder verschwitzt noch zerdrückt, obwohl es während ihrer kilometerlangen Reise durch die Wüste in den Helm gezwängt gewesen war. Es war wundervolles, glänzendes Wassermannzeitalter-Haar, das Malina Sokolowski neidisch gemacht hätte. Eine formvollendete Filmstarfrisur, an der ein Team von Stylisten drei Stunden arbeiten musste, bevor die Kameras rollten. Es roch nach Lavendel und Stockrosen. Nur mit Mühe erinnerte ich mich daran, das Atmen nicht einzustellen.

»Ich werde es dir erklären«, sagte BRIGHID. »Aber hast du vielleicht etwas Tee für mich? Es war eine lange Reise von TÍR NA NÓG.«

Ich sprang auf und eilte hinter die Theke, wo Oberon geduldig wartete. »Aber sicher doch«, frohlockte ich. Einen Tee für die Göttin des Feuers zuzubereiten, war so viel besser, als von der Göttin des Feuers im Blitzverfahren eingeäschert zu werden.

›Darf ich ihr Hallo sagen?‹, fragte Oberon schüchtern.

Lass mich erst nachfragen, antwortete ich ihm. »Mein Wolfshund würde dich gerne begrüßen, BRIGHID. Ist das in Ordnung für dich, während ich deinen Tee zubereite?«

»Du hast einen Hund hier? Wo ist er?«

Ich hob Oberons Tarnzauber auf und schärfte ihm ein, auf seine Manieren zu achten. Dann trottete er hinter der Theke hervor und auf BRIGHID zu, wobei sein Schwanz wedelte wie ein Metronom, das auf irgendetwas in Allegro eingestellt war. Sie hatte sich an einem der Tische niedergelassen und lächelte über seinen Enthusiasmus.

»Ja, du bist aber ein Prachtkerl. Kannst du sprechen?« Sie verband ihr Bewusstsein mit seinem, so dass sie seine Antworten hören konnte.



Download



Haftungsausschluss:
Diese Site speichert keine Dateien auf ihrem Server. Wir indizieren und verlinken nur                                                  Inhalte von anderen Websites zur Verfügung gestellt. Wenden Sie sich an die Inhaltsanbieter, um etwaige urheberrechtlich geschützte Inhalte zu entfernen, und senden Sie uns eine E-Mail. Wir werden die entsprechenden Links oder Inhalte umgehend entfernen.