Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry. Das Geheimnis der Queenie Hennessy by Joyce Rachel

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry. Das Geheimnis der Queenie Hennessy by Joyce Rachel

Autor:Joyce, Rachel [Joyce, Rachel]
Die sprache: deu
Format: epub, mobi
veröffentlicht: 2014-11-11T16:00:00+00:00


Fast eine Woche habe ich dir nicht geschrieben. Ja, der Tod ist hier gewesen. Der Wagen des Bestatters. Es wurde getrauert. Aber es gab auch anderes. Musiktherapie. Vogelgezwitscher. Die Nonnen schoben uns in unseren Rollstühlen hinaus, damit wir dem Treiben der ersten Mauerschwalben zusehen konnten. Die kleinen Blättchen am Baum vor meinem Fenster haben sich zu grünen Handtellern ausgestreckt. Im Garten knospen die Rosen, die ersten Akeleien sind aufgeblüht. Es gab französische Maniküre, Massagen mit Lavendelöl, einen Haarschnitt. Nährstoffshakes und Kartenspiel. Schwester Lucy las Barbara weiter aus Unten am Fluss vor, und eine Betreuerin hat sich von Barbaras neuem Brillenetui inspirieren lassen und ein Sortiment bunter Beutel für unsere Pumpenspritzen gestrickt. Scheinbar eine Lappalie und überflüssiger Firlefanz, aber man fühlt sich wieder wie ein Mensch, wenn man solche Gerätschaften in einem hübschen Strickbeutel aufbewahren kann. Eine Patientin hat sich sogar so weit erholt, dass sie nach Hause zurückkehren konnte. Wir standen am Fenster, als ihr Sohn sie zu seinem Auto führte, und haben zum Abschied gewinkt.

»Was für ein netter junger Mann«, sagte Finty.

»Mit Haaren, quer über die Glatze gekämmt«, sagte Mr Henderson. »Wahrscheinlich hat er einen Seniorenpass.«

»Na, Sie müssen grad was sagen«, meinte Finty.

Ich habe geschlafen und zu den Liedern, die in meinem Kopf weitersummten, gar nicht erst die Worte gesucht. Das Ding in meinem Gesicht wurde verbunden. Ich habe Medikamente und Schmerzmittel genommen und jeden Morgen meine Finger gedehnt. Ich habe mit den anderen Patienten Ausflüge in den Garten gemacht und neben Schwester Lucy und ihrem Puzzle gedöst. Am Mittwoch hat sie mir ein Geschenk zugesteckt, eingewickelt in Kosmetiktücher, und auf meinen überraschten Blick hin strich sie sich nur die Ärmel glatt und fragte: »Hat da nicht jemand Geburtstag?«

Es war ein neues Heft für meine Notizen.

Ich habe am Fenster dem Licht draußen zugesehen, wie es von Weiß über Blau in Schwarz übergeht, manchmal mit einem rosa Schimmer dazwischen. Ich habe im Dunkeln gelegen und Barbaras Liedern oder dem Wind in den Bäumen gelauscht. Und wir warten, Harold, wir warten alle – unsere Lieder, der Wind, die Nacht. Wir warten auf dich.



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