30 Tage Sonnenschein by Till Jochen

30 Tage Sonnenschein by Till Jochen

Autor:Till, Jochen [Till, Jochen]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 2014-06-25T00:00:00+00:00


»Ja.« Ich sah sie traurig an. »Schöne Scheiße.«

Kellys Blick wich meinem aus, sie starrte auf das Stück Pizza in ihrer Hand.

»Weißt du«, sagte sie leise. »Das ist vielleicht nicht unbedingt das Schlechteste, was dir passieren konnte.«

Wie bitte? Was sollte das denn jetzt? Ich hatte mit ein paar aufbauenden Worten gerechnet, eine kleine Runde Mitleid für den armen, obdachlosen David, ihren guten Freund, der in solch schweren Zeiten ein wenig Aufmunterung dringend brauchte. Nicht das Schlechteste, was mir passieren konnte? Hallo? Das Jenseits war mein Leben und die Schließung für mich eine Art Naturkatastrophe, und das wusste sie ganz genau, da gab es nichts, aber auch absolut gar nichts dran schönzureden. Ich öffnete meinen Mund, um sie zu fragen, was das sollte, aber sie kam mir zuvor.

»Ich meine«, sagte sie. »Vielleicht solltest du das als Chance sehen.«

»Chance?«, fragte ich. »Wofür?«

»Na ja, um endlich mal aus diesem Trott rauszukommen. Andere Leute kennenzulernen. Dein Leben in den Griff zu kriegen.«

Aber hallo. Wo kam das denn auf einmal her? Mein Leben in den Griff kriegen? Was war denn da plötzlich nicht im Griff? Ich fand mein Leben insgesamt äußerst griffig, und sie hatte bisher auch nie ein Problem damit gehabt. »So?«, fragte ich leicht gereizt. »Was stimmt denn nicht mit meinem Leben?«

»Ach, David«, sagte sie beschwichtigend. »Ich meine das doch nicht böse. Es ist nur so, dass … David, du wirst nächstes Jahr dreißig, und …«

»Na und?«, unterbrach ich sie schroff. »Darf man mit dreißig nicht mehr in die Kneipe gehen, oder was?«

»Nein, darum geht es doch überhaupt …«

»Und neue Freunde muss man sich auch unbedingt mit dreißig zulegen oder wie?«

»Nein, das mein ich doch gar …«

»Und heiraten soll ich vielleicht am besten auch noch gleich, hm? Wäre das die Lösung? Hätte ich dann mein Leben im Griff? So wie du?« Mist, das hatte ich gar nicht sagen wollen, das musste aus meinem Unterbewusstsein über meine Zunge gekullert sein.

Kellys Augen wurde kleiner, sie funkelte mich angriffslustig an. »Um zu heiraten, müsstest du ja erst mal eine Frau kennenlernen!«, fuhr sie mich an. »Und das wird nie passieren, wenn du ständig im Jenseits rumhängst.«

Punkt für sie, rein logisch gesehen. Das Jenseits war nun wirklich alles andere als der geeignete Ort, um Frauen kennenzulernen, dazu waren viel zu wenige dort. Aber darum ging es ja eigentlich gar nicht. »Vielleicht habe ich ja überhaupt keine Lust zu heiraten«, gab ich zurück. »Vielleicht finde ich heiraten ja total bescheuert. Es muss ja wohl nicht jeder gleich heiraten, das ist doch totaler Schwachsinn!«

»Ach so! Du findest mich also bescheuert! Gut zu wissen!«

»Heiraten! Ich finde heiraten bescheuert, hab ich gesagt.«

»Okay. Du findest es also bescheuert, dass ich heirate. Sonst noch was?«

So nicht. Auch wenn sie absolut recht hatte, ich ließ mir mit Sicherheit nicht von ihr das Wort im Mund rumdrehen. »Ich habe nie gesagt, dass ich es bescheuert finde, dass du heiratest. Du kannst von mir aus fünfmal im Jahr heiraten, mir doch egal. Aber deswegen muss ich es ja wohl nicht unbedingt auch machen, egal wie alt ich nächstes Jahr werde.



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