Waidmannsdank by Bleyer Alexandra

Waidmannsdank by Bleyer Alexandra

Autor:Bleyer, Alexandra [Bleyer, Alexandra]
Die sprache: deu
Format: epub
ISBN: 9783863589691
Herausgeber: Emons
veröffentlicht: 2016-03-17T00:00:00+00:00


16

Im nächsten Dienst fuhr Martin, nachdem er sich mit Treichel abgesprochen hatte, allein hinauf zum Mörlebauer-Hof. Treichel hatte sofort zugestimmt, als er vorgeschlagen hatte, noch ein wenig im Jagdverein herumzustochern.

»Steter Tropfen höhlt den Stein«, hatte er grimmig gemeint. Und was für einen Stein galt, dürfte auch auf einen dicken Bauernschädel zutreffen.

»Was will denn die Polizei schon wieder da?«, schwankte Rosi Guggenberger zwischen Verwunderung und blankem Ärger. »Es waren ja gerade erst die beiden Kolleginnen bei uns!«

»In laufenden Ermittlungen tun sich ständig neue Erkenntnisse auf. Wir müssen jeder Spur nachgehen.«

»Hmpf.«

»Wenn Sie so nett wären, Herrn Guggenberger zu holen?«

»Ich muss ihn aufwecken. Er hat sich hingelegt nach dem Mittagessen. Wo er doch immer so früh aufstehen muss«, entgegnete Rosi vorwurfsvoll.

Martin dachte gar nicht daran, sich zu entschuldigen. Er setzte sich in die Gaststube und bestellte sich bei der Kellnerin einen Hollersaft. Während er auf Guggenberger wartete, blätterte er die abgegriffene Speisekarte durch. Beim Mörlebauer schien man groß aufzukochen. Neben den traditionellen Jausengerichten – vom Glundnerkasbrot bis zur klassischen Brettljause – gab es etliche Kärntner Nudelvariationen und Hausmannskost vom Schweinsbraten bis zum Hirschgulasch, das in einem Jägerhaushalt natürlich nicht fehlen durfte.

»Bring mir an Kaffee!« Guggenbergers Stimme klang kratzig.

Als er sich zu ihm an den Tisch setzte und sich mit beiden Händen durch das ungekämmte Haar fuhr, musterte Martin ihn aufmerksam. Die Augen blutunterlaufen, das Gesicht unrasiert. Nein, der alte Mörlebauer war eindeutig nicht auf der Höhe. Schonfrist hatte er dennoch keine zu erwarten, im Gegenteil.

»Schlecht geschlafen?«

»Häh?«

»Sie sehen müde aus.«

Guggenberger brummte etwas Unverständliches und machte sich über seinen Kaffee her, den Rosi ihm hingestellt hatte. Auf der Tasse prangte ein Hirschkopf, und in verschnörkelter Schrift konnte man »Gruß aus Obervellach« lesen.

»Sie waren gestern nicht im Kulturzentrum«, begann Martin, »bei der Bürgerversammlung wegen dem Huber.«

Guggenberger blinzelte erstaunt. »Was hätte ich denn da sollen?«

»Sind Sie nicht neugierig? Immerhin war es ein Vereinsmitglied, das gestorben ist. Und Sepp Flattacher, den viele Leute verdächtigen, ist der Aufsichtsjäger von der Hubertusrunde. Darum ging es gestern auch.«

Guggenberger hielt seinen Blick stur gesenkt.

»Halten Sie Flattacher für gefährlich?«

Mit beiden Händen umklammerte Guggenberger seine Tasse und suchte in der schwarzen Brühe nach einer Antwort. Schließlich raffte er sich auf.

»Der Sepp, der ist ganz eigen geworden in den letzten Jahren. Wir haben im Verein schon darüber diskutiert, ob es nicht besser wäre, ihn aus dem Verein auszuschließen. Er ist einfach nicht mehr tragbar. Sie wissen schon, all die Beschwerden und Anzeigen. Er hat mit so vielen Leuten einen Wickl …«

»Und um was geht es bei Ihrem Streit mit Flattacher?«

»Wer sagt denn, dass ich …«

Martin seufzte demonstrativ. Zeit, vom Deeskalationskurs abzurücken und ein wenig Druck auszuüben. Er hatte allmählich die Nase voll von all der Heimlichtuerei und dem Nicht-mit-der-Polizei-reden-Wollen der Jäger.

»Kommen Sie. Wir von der Polizei sind doch auch nicht auf der Nudlsuppn dahergschwommen«, ging er Guggenberger deshalb schärfer an. »Das ist was Persönliches zwischen Ihnen und dem Flattacher, oder?«

»Mit dem Sepp kann man einfach nicht im Guten auskommen. Er sucht immer Streit.«

»Wie zum Beispiel?«

»Er kommt halt nicht damit klar, dass ich Obmann bin und im Verein das Sagen habe.



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