Rise and Fall by Sarah Stankewitz

Rise and Fall by Sarah Stankewitz

Autor:Sarah Stankewitz [Stankewitz, Sarah]
Die sprache: deu
Format: epub
ISBN: 9783958186675
Herausgeber: Forever
veröffentlicht: 2022-03-25T00:00:00+00:00


18

Skylar

* * *

Vergangenheit

* * *

»Willst du noch ein paar Jahre hier stehen und zögern, oder wollen wir es durchziehen?« Carter stellte sich direkt vor mich, und ich versuchte, meine Atmung zu drosseln. Für ihn war das hier kein großer, bedeutender Tag, für mich schon.

»Du hast gut reden. Wie viele Tattoos hast du schon? Fünfhundert? Meine Haut ist noch rein und jungfräulich!« Nicht mehr lange, schoss es mir durch den Kopf. Das kleine Tattoostudio namens Skinked sah unscheinbar aus zwischen den ganzen anderen Geschäften, aber mich schrien die Bilder der verschiedenen Tattoos im Schaufenster nahezu an. Sie machten mir Angst, weil ich keine Ahnung hatte, wie sehr es wehtun würde.

»Es ist ein guter Schmerz«, erwiderte Carter lachend, weil er wieder einmal meine Gedanken lesen konnte. Er lachte mich aus, weil ich ein Schisser war. Ein Angsthase. Aber Nadeln waren nichts, was ich unbedingt unter meiner Haut haben wollte, unser Symbol hingegen schon. Ich musste mich also entscheiden, was mir wichtiger war.

»Es gibt einen guten Schmerz?« Fragend hob ich eine Braue. Mein bester Freund nickte entschlossen, und ich glaubte ihm sogar, auch wenn es in meinen Ohren völlig verrückt klang.

»Ja. Du wirst es sehen. Aber das geht nur, wenn du mit mir reinkommst. Ich kann zuerst, wenn du willst«, bot er mir an, aber ich schüttelte den Kopf. »Nein, wenn, dann will ich es zuerst hinter mir haben. Dann kann ich dich danach leiden sehen.« Feixend boxte ich ihm gegen den Oberarm, und gemeinsam gingen wir durch die schmale Eingangstür des Studios. Eine Glocke über der Tür kündigte unsere Ankunft an, und ich begann, mich in dem überschaubaren Raum umzusehen. Zu meiner Linken stand eine kleine Sitzlandschaft vor einem chaotischen Tisch voller Tattoomagazine. Dahinter prangten gerahmte Fotos von Werken der Künstlerin, die sich gleich mit ihrer Nadel auf meinem Körper verewigen würde. Es gab eine elegante La Catrina, Totenköpfe, Tribals und Erzengel, aber auch filigrane Tattoos von Vögeln, Ornamenten und schön geschwungenen Schriftzügen.

Auf der rechten Seite des Ladens standen drei weiße Regale, die sauber mit weiteren Magazinen und Büchern eingeräumt waren. An den anderen Wänden hingen Plakate von den bekanntesten Rocklegenden der vergangenen fünfzig Jahre.

»Hey, ihr zwei.« Mit diesen Worten kam eine zierliche Frau aus dem benachbarten Raum. Sie hatte ein zartes Gesicht, kurze, kupferfarbene Haare, und mit den spitzen Ohren, die aus den Haaren hervorlugten, sah sie aus wie eine Elfe. Unter dem zu großen, rot-schwarz karierten Hemd konnte man die zahlreichen bunten Tattoos an ihren Armen bewundern. Ob sie sich auch selbst tätowierte?

»Carter, lange nicht mehr gesehen. Wurde mal wieder Zeit, was? Vermisst du die Nadel schon?« Das klang, als wäre mein bester Freund ein Junkie. Meine Mundwinkel zuckten.

»So was von. Aber heute wird es nur was Kleines. Wir lassen uns ein Freundschaftstattoo stechen«, erklärte er der Frau, die sich mir nun als Millie vorstellte. Ich mochte sie ab Sekunde eins, weil ihr Lächeln warm und ihre grauen Augen herzlich waren.

»Dann kommt mal mit nach hinten. Wer will zuerst?«

»Sky«, antwortete Carter. »Aber sie hat noch Schiss. Es ist ihr erstes.



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