How dare you!: Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken (German Edition) by Fleischhauer Jan

How dare you!: Vom Vorteil, eine eigene Meinung zu haben, wenn alle dasselbe denken (German Edition) by Fleischhauer Jan

Autor:Fleischhauer, Jan [Fleischhauer, Jan]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Siedler Verlag
veröffentlicht: 2020-10-11T16:00:00+00:00


Sophie Passmann ist Autorin, Kolumnistin (»Zeitmagazin«) und Radiomoderatorin. Im März 2019 erschien ihr Buch »Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch«, für das sie eine Reihe von Gesprächen mit bekannten weißen Männern wie dem ehemaligen »Bild«-Chefredakteur Kai Diekmann und dem Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck über Feminismus führte. Passmann ist Mitglied der SPD.

Über die Verwandtschaft zwischen AfD-Politikern und Südländern

Die Feministin Teresa Bücker hat über Alice Weidel auf Twitter geschrieben: »Würde gern mal Alice Weidel fragen: Also wir Feministinnen sind bekanntlich alle untervögelt, aber was zur Hölle fehlt Ihnen?« Ich bin unsicher, ob ich das so zitieren darf. Der Tweet ist ein bisschen frauenfeindlich, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er von Teresa Bücker stammt. Außerdem geht Weidel gegen jeden juristisch vor, der sie mit Fragen behelligt, die ihr nicht gefallen.

Vor ein paar Tagen hat sie eine Kollegin von mir angezeigt, weil diese den AfD-Pressesprecher auf die Sorgen in der Partei angesprochen hatte, dass die Spitzenkandidatin nicht genug esse. Ich finde nicht, dass Weidel so dünn aussieht, dass man sich Sorgen machen müsste. Trotzdem sind die Ernährungsgewohnheiten der Kandidatin in der AfD offensichtlich ein Thema. Möglicherweise fürchtet man unter den Anhängern, dass Weidel heimlich zum Veganismus übergelaufen sein könnte, was in einer Partei, die für den Schnitzel-Tag in deutschen Kantinen kämpft, ein mittelschweres Problem wäre.

Wie dem auch sei: Der Pressesprecher berichtete Frau Weidel von dem Gespräch, worauf diese bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg Strafanzeige einreichte. Ich habe nicht in Erfahrung bringen können, auf welcher juristischen Grundlage die Anzeige fußt. Am besten redet man als Journalist mit dem Pressesprecher der AfD nur noch über Dinge, die schon in den Zeitungen stehen. Dann gibt es nachher keine Scherereien.

Ich habe mich ehrlicherweise auch schon gefragt, was mit Frau Weidel nicht stimmt. Neulich ist sie aus einem Fernsehstudio gestürmt, weil sie sich von der Moderatorin ungerecht behandelt fühlte. Ich habe mir die entsprechende Szene angesehen. Ich habe auch bei mehrfachem Anschauen nicht erkennen können, was Frau Weidel so aus dem Häuschen gebracht haben könnte, dass sie glaubte, ihren Auftritt abbrechen zu müssen.

Angeblich war die Moderatorin Marietta Slomka unfreundlich gewesen. Aber in dem Filmausschnitt, den ich gesehen habe, tauchte Frau Slomka gar nicht auf. Man sah stattdessen, wie Andreas Scheuer von der CSU die AfD-Vorsitzende auf ihren Parteifreund Björn Höcke ansprach, worauf diese unvermittelt aufstand und aus dem Studio lief. Ich dachte immer, man sei in der AfD schlimmeren Bedrängnissen ausgesetzt als Fragen von Andreas Scheuer. Vielleicht hat Frau Weidel aber auch einfach sehr, sehr dünne Nerven.

Eines der Dinge, die mich an der Linken immer gestört haben, war die Opferpose. Wenn etwas nicht so läuft, wie man sich das vorgestellt hat, gilt es als ausgemacht, dass jemand Mächtiges seine Hand im Spiel hatte. Dann ist das Patriarchat schuld oder der Kapitalismus oder ganz allgemein das System. Leider geht mit dem Hang zur Opferhaltung eine schreckliche Empfindlichkeit einher. Kaum fühlt sich jemand benachteiligt oder nicht ausreichend beachtet, setzt ein großes Wehklagen ein, welchen Diskriminierungen man noch immer in Deutschland ausgesetzt sei.

Inzwischen reicht es schon, dass jemand ein falsches Wort benutzt, um als Minderheitenfeind zu gelten.



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