Tuesday Nights in 1980 by Molly Prentiss

Tuesday Nights in 1980 by Molly Prentiss

Autor:Molly Prentiss
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
veröffentlicht: 2016-06-21T00:00:00+00:00


Die Show muss weitergehen

Alles, was Rang und Namen hatte: Das war die Redewendung, die gewisse Leute, vermutlich diejenigen, die weder Rang noch Namen hatten, wahrscheinlich benutzten, um die Besucher von Raul Engales’ Ausstellung in der Winona-George-Galerie zu beschreiben. Lucy hatte sie von ihrem Platz in der Ecke hereinkommen sehen: die Sammler und die Kritiker und den nie endenden Strom von Winonas persönlichen Freunden, denen es gelang, Winonas gepudertes Gesicht mit Lippenstiftküssen zu bedecken, noch ehe der Wein entkorkt war. Rumi war da, mit ihrem gewaltigen, raumgreifenden Haarschopf, und einige derselben Leute wie bei der Ausstellung am Times Square – Lucy erkannte ein Paar, das sich von Kopf bis Fuß ausschließlich in Rot kleidete, und einen schlaksigen Mann mit einer Baseballkappe, auf der, blau gestickt, KUNST IST MEINE HÖLLE stand.

Auch all ihre Freunde aus dem besetzten Haus waren da – Toby und Regina machten die Runde wie ein zweiköpfiges Insekt, dank des langen Schals, der um ihre beiden Hälse geschlungen war; Horatio und Selma trotteten hinter ihnen her, Horatio in schwarzweiß karierten Hosen, die er selbst mit Farbe besprüht hatte, und Selma in einem Hemd, das aussah wie aus Zellophan gemacht und die Formen und Schatten ihrer kleinen omnipräsenten Brüste preisgab.

Doch obwohl Lucy den Sommer damit verbrachte hatte, in deren schmuddeliger Genialität zu schwelgen, ihrer Neugier und ihren Gesprächen nachzueifern, wusste sie jetzt, dass sie eigentlich nicht ihre Freunde waren; sie gehörten zu Engales. Engales würde bestimmt nicht wollen, dass sie ihnen von seinem Unfall erzählte, und so würde sie das Entsetzen darüber alleine tragen müssen, während sie sich bemühte, den Künstlern aus dem Weg zu gehen, sich am Rande der Party bei den Bildern aufzuhalten, ihren Rücken dem Raum zugewandt, und die Werke ihres Geliebten zu betrachten.

Aber es dauerte nicht lange, bis sie Lucy entdeckten und sie fragten, wo Engales sei. »Wir haben ihn nirgends gesehen«, sagte Toby. »Und er ist doch sonst immer da«, sagte Regina. Lucy zuckte mit den Schultern und schnitt das Problem kommerzieller Galerien an, was Toby ablenken würde, wie sie wusste, zumindest lange genug, um sich eine andere Ausweichtaktik zu überlegen. Als er zu dem Teil kam, in dem er Galeriekünstler mit Fabrikarbeitern verglich, schlich sie sich in die Menge davon, wo sie mitbekam, dass Vermutungen über Engales’ Abwesenheit die Runde machten. Vielleicht ein familiärer Notfall, sagte eine große Frau mit einem Alligatorkopf auf ihrer Handtasche. Ich hörte, niemand habe ihn seit einer Woche gesehen, warf jemand anders ein. Bald, nachdem genug Zeit vergangen und genug Wein getrunken war, bekam Raul Engales’ Abwesenheit eine noch dramatischere Zugkraft. Ich hoffe, er ist nicht verschwunden wie dieser Junge, sagte eine alte Frau mit einer Smaragdbrosche. Ist das nicht eine äußerst tragische Geschichte? Horatio hielt Lucy neben dem Bild einer Chinesin mit entstellter Wange an, die ein Bündel Pak Choi hochhielt. Erst jetzt bemerkte Lucy eine leere Stelle im Pullover der Frau: eine Stelle, die nicht fertiggemalt worden war.

»Was glaubst du, wann er auftaucht?«, fragte Horatio mit seinem klotzigen Akzent.

»Wahrscheinlich bald!«, erwiderte Lucy bemüht fröhlich, obwohl ihr Blick



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