Tagebuch der Apokalypse by J.L. Bourne

Tagebuch der Apokalypse by J.L. Bourne

Autor:J.L. Bourne [Bourne, J.L.]
Die sprache: deu
Format: epub, mobi
Tags: Tagebuch der Apokalypse 1
veröffentlicht: 2013-11-05T05:00:00+00:00


Wir haben über unsere Familien gesprochen. Ich sagte, dass ich mich um meine sorge und trotz ihres relative Sicherheit versprechenden Aufenthaltsortes bezweifle, dass sie die Sache überlebt hat. John erzählte voller Stolz von seinem Sohn, dessen Studium am Purdue College und dem Stipendium, das er für ihn ergattert hatte. Dann ging es um die Possen seiner letzten Familienfeier und die Schwierigkeiten seiner Frau mit seiner Mutter. Er fragte mich, was mich zum Militär getrieben hatte. Ich erzählte ihm die Geschichte von dem armen Jungen aus Kaff, USA, der seinem Land dienen wollte, und wie es mir auf die harte Tour gelang, in die Offiziersklasse aufzusteigen.

(Ist natürlich jetzt völlig unwichtig, welchen Dienstgrad ich mal hatte.)

Ich bin mir sicher, dass Dienstgrade irgendwo tief unter der Erde im Nordwesten der USA noch immer eine Rolle spielen, aber nicht hier, auf diesem popeligen Schwimmsteg auf einer Insel, die niemand kennt. Ich habe ihm auch erzählt, warum ich nicht bei meinen Kameraden auf dem Stützpunkt geblieben bin. Manchmal bedauere ich es, nicht mit den Kameraden zusammen zum Stützpunkt gegangen zu sein. Ich allerdings lebe, und sie sind tot. Ich möchte allemal lieber Nadel im Heuhaufen als Blödmann in einer Festung sein. Mit meiner Entscheidung werde ich leben müssen, aber wenigstens verfüge ich noch über das Leben, das diese Belastung voraussetzt.

John sah mich an. »Du redest, als hätte ich dir Fahnenflucht vorgeworfen.« Ich entschuldigte mich und versuchte ihm klarzumachen, dass es sich hierbei nun mal um ein empfindliches Thema handelt. Vermutlich bin ich ein Deserteur. Aber lebt noch irgendjemand, der mich verpfeifen könnte? Wenn die Welt je wieder normal sein sollte, werde ich … Hat keinen Zweck, darüber nachzudenken.

Bei der Vorstellung, dass meine Eltern in ihrer Dachkammer verrammelt um Hilfe beteten, wurde mir ganz schwummerig. Ich sah sie in verdreckten Klamotten, mit zerzaustem Haar und durch Unterernährung klapperdürr geworden vor mir. Ich musste den Gedanken gewaltsam beiseiteschieben, um keinen folgenschweren Entschluss zu fassen. Der willentliche Versuch, meine Eltern zu retten, die Hunderte von Kilometern von uns entfernt waren, wäre reiner Selbstmord gewesen. Ich frage mich aber, wie lange der Untergang gebraucht hat, um auch Hintertupfingen in Arkansas zu erreichen. Auf jeden Fall hat es von dem Augenblick an, in dem es im Fernsehen lief, bis zu dem Tag, an dem es an meine Haustür kratzte, nicht lange gebraucht.

Man muss eine kalte Entscheidung treffen. Will ich leben, darf mein Gefühl mir nicht vorschreiben, wohin ich meine Schritte lenke. Selbst im besten Fall würde eine kleine Schwäche meiner Urteilskraft den Tod bedeuten. Würde ich nach Arkansas gehen, um zu erfahren, ob meine Eltern noch leben, müsste jede Entscheidung vollkommen sein, bis hin zu dem Ort, an dem ich nachts schlafe und an dem ich mich mit Lebensmitteln versorge.

Was ist schiefgegangen? Ich weiß nicht, wieso ich fast zwei Monate gebraucht habe, um ernstlich darüber nachzudenken, aber welches kranke Hirn würde so etwas tun? Ich setze zu viel voraus. War der Mensch im Begriff, göttliche Sphären zu erreichen? Vielleicht war es etwas Größeres. Ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken, denn



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