Krieger des Nordens by Herlin Jonas

Krieger des Nordens by Herlin Jonas

Autor:Herlin, Jonas [Herlin, Jonas]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Blanvalet
veröffentlicht: 2015-12-20T16:00:00+00:00


KAPITEL 18

Am nächsten Morgen wurde Thorbrand schon vor Sonnenaufgang geweckt. Von einem so frühen Aufbruch hatte Branagorn ihm zuvor nichts angekündigt. Offenbar hatte der Mönch seine Pläne geändert, und das musste mit dem zu tun haben, was er während seines nächtlichen Gesprächs mit Abt Balduin besprochen hatte.

Die Sonne hatte es kaum geschafft, ihre ersten Strahlen über den Horizont zu schicken, da saßen sie bereits auf ihren Pferden und machten sich auf den Weg. Das Packpferd verließ das Kloster beladener, als es hereingeführt worden war. Abt Balduin hatte dafür gesorgt, dass Thorbrand und Branagorn für die Strecke, die vor ihnen lag, mit reichlich Proviant ausgestattet wurden.

Der Mönch gab Thorbrand die Zügel des Packtiers. Er selbst übernahm die Führung. Thorbrand versuchte, sich den Weg zu merken, aber das war nicht so ganz leicht. Dass es nach Süden ging, war offensichtlich. Und ebenso offensichtlich war, dass Branagorn großen Wert darauf legte, abseits von viel frequentierten Wegen zu reisen. Sie durchquerten auch dicht bewaldete Gebiete, überwanden ein paar kleinere Höhenzüge und gerieten schließlich in einen Schnee- und Hagelschauer.

Eine größere, mit einem Wall befestigte Stadt, die sie vom Kamm eines Hügels aus sahen, ließ Branagorn links liegen. Stattdessen zogen sie querfeldein.

Einmal begegneten ihnen ein paar Pilger in aschgrauen Gewändern, die ebenfalls auf dem Weg nach Prüm waren. Sie sprachen einen romanischen Dialekt, den Thorbrand nicht verstand. Branagorn unterhielt sich mit ihnen. Es waren drei Männer und vier Frauen. Der Mönch richtete es so ein, dass sich ihre Wege sehr bald wieder trennten.

»Was waren das für Leute?«, wollte Thorbrand wissen.

»Pilger, die aus Aquitanien in diese Gegend gekommen sind, um die Sandalen des Herrn zu sehen.«

»Die Sandalen des Herrn?«

»Jesus hat sie getragen. Eine Reliquie.«

Thorbrand schüttelte den Kopf. »Ich verstehe, dass man weite Wege hinter sich bringt – ganz gleich, ob über die See oder zu Lande –, um Gold und Silber zu erlangen oder Länder zu entdecken, die sich zur Besiedlung eignen. Aber sich wegen eines uralten Paars Sandalen auf eine derart weite Reise zu begeben, das tun wohl nur Christen.«

»Es befreit sie von ihren Sünden. Diese Buße haben sie sich selbst auferlegt.«

»Ich habe durch meine christliche Mutter genug über diesen Glauben gelernt, um zu wissen, was du meinst.«

»Du bist sogar getauft«, sagte der Mönch. »Zweimal, wenn man nach deiner Zählung geht.«

»Diese Sandalen …« Thorbrand zögerte zunächst, bevor er weitersprach. »Werden sie zufällig in Prüm aufbewahrt?«

»Wie kommst du auf diesen Namen?«

»Die Pilger haben ihn mehrfach erwähnt.«

»Und wo hast du ihn vorher gehört? Du musst ihn vorher schon vernommen haben, sonst hättest du ihn nicht heraushören können.«

»In deinem Gespräch mit Abt Balduin wurde dieser Name erwähnt. Ihr habt offenbar beide dort Zeit verbracht.«

»Ah ja …« Branagorn schien sich zu erinnern.

»Ist Prüm unser nächstes Ziel?«

»Das sollte dich nicht weiter kümmern. Du wirst es sehen, wenn wir angekommen sind.«

»In diesem Fall hätten die Pilger und wir denselben Weg gehabt.«

»Es bestand kein Grund, ihre Gesellschaft zu suchen.«

Thorbrand lächelte. »Du willst den König, den man Karl den Kahlen nennt, dort sprechen. Oder besser gesagt, er will dich sprechen, wovon aber die anderen beiden Könige möglichst nichts erfahren sollen.



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