Weiß für Wut by Järvelä Jari

Weiß für Wut by Järvelä Jari

Autor:Järvelä, Jari [Järvelä, Jari]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: carl's books
veröffentlicht: 2016-04-11T07:57:02+00:00


Jere

Als Raittila den Text an der Fassade meines Hauses sah, prustete er los. »Sorry«, sagte er kurz darauf und wurde wieder ernst. »Aber du musst doch zugeben …«

»Was muss ich zugeben?«, zischte ich ihn durch die zusammengebissenen Zähne an. Eine Ader mit gezacktem Rand pochte immer heftiger hinter meiner Stirn, und mein Kopf tat weh.

»… dass es auf gewisse Weise lustig ist«, sagte Raittila.

»Lustig?«

»Absolut verwerflich, klar«, fügte er hastig hinzu. »Aber der Täter hätte weitaus Schlimmeres hinterlassen können, undefinierbares Geschmiere zum Beispiel.«

»Meiner Meinung nach ist das hier undefinierbares Geschmiere.«

Ich warf einen Blick auf die Uhr. Die Maler hatten Verspätung. Sie hätten schon vor einer knappen Stunde kommen sollen. Ich hatte bereits zweimal bei der Firma angerufen und meine Frage, wo sie denn immer noch steckten, trotz Villes Anwesenheit mit saftigen Flüchen garniert. Die Fassade müsse umgehend frisch gestrichen werden.

»Lass sie nicht in deinen Kopf«, trällerte Raittila, als zitierte er einen seichten Schlager. Bei den Betriebsfeiern im Advent zog er zum Schluss immer noch weiter in eine Karaokebar. »Hopeinen kuu« von Olavi Virta war seine Paradenummer.

»Du hast gut reden«, antwortete ich. »Du hast schließlich keine Farbe in die Fresse gekriegt.«

»Was macht Mirjami?«

»Sie guckt mit Ville Zeichentrickfilme und passt auf, dass er nicht nach draußen läuft. Das habe ich ihm nämlich verboten.«

»Gute Idee«, sagte Raittila. »Der Junge braucht von diesem Problem nichts zu wissen. Unterbrich die Informationskette. So begrenzt du den Schaden.«

»Denkst du, Ville wüsste nichts davon?«, fuhr ich ihn an. »Über die Fenster läuft ein Balken, der die Räume rosa färbt. Unser Zuhause sieht aus wie ein perverses Barbie-Bordell. Und Ville quengelt, weil er nicht nach draußen darf, um sich das Gekleckse anzusehen. Er hat nicht mal mehr Augen für den Fernseher.«

»Don’t worry. Wir kümmern uns um dein Problem. Einer für alle und alle für einen.«

Während Raittila versucht hatte, mich zu beschwichtigen, hatte er pausenlos Fotos von meinem Haus gemacht. Die Polizisten waren bereits abgezogen. Der Mann von der Versicherung hatte mir geraten, den Antrag aufmerksam auszufüllen. Er hatte mir nicht auf Anhieb sagen können, ob die Versicherung auch Vandalismus außerhalb des Hauses abdeckte. Es ging schließlich um den Anstrich der Außenfassade. Um die Außenwand. »Sind Sie sich ganz sicher, dass Ihnen da kein Bekannter einen dummen Streich gespielt hat?«, hatte er gefragt, wobei er das Wort »Streich« betont hatte. Nach langen, detaillierten Erklärungen meinerseits hatte er sich dann auch noch erkundigt, ob der Text JERE LOVES GRAFFITI in etwa einen Quadratmeter der Front fülle. »Die gesamte Wand, verdammt!«, hatte ich ins Telefon gebrüllt.

Im selben Moment hatten die Kopfschmerzen begonnen. Irgendjemand zog ein rostiges Sägeblatt durch mein Stirnhirn.

»Ein guter Grund, in einem Mehrfamilienhaus zu wohnen«, sagte Raittila und zeigte auf die Überwachungskamera. »Mehrfamilienhäuser sind leichter zu kontrollieren. Wenn du im obersten Stock wohnst, kommt keiner an dich ran. Mit einer Kamera im Treppenhaus kannst du einfach jeden filmen, der das Haus betritt.«

»Ich hatte eine Kamera. Jetzt ist die Linse schwarz.«

»Das Treppenhaus und den Lift in einem Mehrfamilienhaus kann man beinahe mit dem Sicherheitsgate am Flughafen vergleichen. Alle Besucher werden registriert. Das



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