VIKING--Eine Jomswikinger-Saga by Bjørn Andreas Bull-Hansen

VIKING--Eine Jomswikinger-Saga by Bjørn Andreas Bull-Hansen

Autor:Bjørn Andreas Bull-Hansen
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Penguin Verlag
veröffentlicht: 2019-07-16T04:59:40+00:00


Ich verbrachte eine Woche in dem Langhaus und bekam reichlich Essen und Trinken. Die Wunde verheilte schnell, Halvor meinte, mein Bruder habe mich auf sehr rücksichtsvolle Weise getroffen. Wir sollten noch ein paar Wochen verstreichen lassen, bevor wir mit dem Training anfingen, andere Pflichten konnte ich aber schon übernehmen. Da ich mich jetzt Jomswikinger nannte, musste ich auch meine Arbeit an der Festung leisten. Auch Bjørn hatte solche Pflichten, davon hatte er mir nur noch nichts gesagt. Den Grund dafür erkannte ich sofort, als Halvor mich mit nach draußen auf den Hof nahm und ich sah, wie Bjørn Mistkübel auf einen Karren hievte. Er tat das jeden Morgen und leerte die Kübel gemeinsam mit ein paar anderen Männern in den Fluss aus, der an der Ostseite an der Festung entlangführte. Er fluchte, als er mich sah, ehe er mir breit grinsend zurief, es sei gut, dass ich ihm endlich helfen würde, es gäbe genug Scheiße für alle. Halvor führte mich aber zur Nordseite des Platzes, wo Aslak über einige Kisten mit Zwiebeln gebeugt stand. Zu dieser Jahreszeit war das das einzige Gemüse, das wir essen konnten. Alles andere verdarb früher. Die Bauern ringsherum würden bald wieder allerlei Arten anbieten können, doch bis es so weit war, brauchten die Männer Zwiebeln als Nahrung, damit sie nicht nur Fisch und Fleisch aßen und krank wurden.

Meine erste Arbeit in der Jomsburg bestand deshalb darin, Zwiebeln in die Häuser zu schaffen. Eine halbe Knolle für jeden kampfestüchtigen Mann, eine ganze für die Alten. Es war Brauch in der Jomsburg, dass alle, die viele Schlachten überlebt hatten und alt und schwach geworden waren, im Alter in der Jomsburg bleiben durften. Sie konnten in Sicherheit leben, und es sollte ihnen an nichts mangeln. Für die ehrwürdigen Graubärte galten andere Regeln, sie mussten weder arbeiten noch am Training teilnehmen und durften nach Belieben Bier und Met trinken. Ich sah sie oft auf den Bänken am Platz sitzen, von wo aus sie die Krieger bei den Übungen beobachteten. Einige von ihnen hatten grausame Narben, andere bloß von der Gicht verkrümmte Finger. Sie zitterten vor Alter, und ich dachte oft, dass ich selbst nie so alt werden würde. Da war es doch ein besseres Schicksal, auf dem Schlachtfeld zu sterben.

Die Jomswikinger aßen Zwiebeln wie andere Menschen Äpfel, eine Gewohnheit, die auch ich annahm. Und die Knollen waren nicht klein wie zu Hause in Vingulmørk, sondern groß wie Kohlköpfe. Als Zwiebellieferanten waren wir in den Häusern immer willkommen, und schon im Lauf der ersten Tage lernte ich viele von Halvors Freunden kennen. Sigurd Bueson, der Blote-Erik mit seinem Manöver am Pfahl so viel Freude bereitet hatte, wohnte in einem Langhaus unten am Hafen und galt als ebenso großer Krieger wie sein Vater. Er war ein guter Freund von Halvor und Jostein, jagte mir aber trotzdem einen großen Schrecken ein. Er war mindestens einen Kopf größer als andere Männer und hatte die breitesten Schultern, die ich jemals gesehen hatte. An dem ersten Morgen, an dem ich mit dem Zwiebelkarren unterwegs war, stand er vollkommen nackt mitten auf dem Weg und kratzte sich im Schritt.



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