Strafsache van Geldern by Hans Hyan

Strafsache van Geldern by Hans Hyan

Autor:Hans Hyan [Hyan, Hans]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: SAGA Egmont
veröffentlicht: 2015-07-17T00:00:00+00:00


10

Die zarte Blonde, heute in Meergrün, aber ebenso duftig und reizvoll wie bei ihrem ersten Erscheinen, hatte die Agraffe kaum in ihrer feinen weissen Hand, als sie rief: „Aber die gehört ja Martha — meiner Freundin! Wo haben Sie die denn her?“

Hallmann nahm das Schmuckstück zurück und bat die Zeugin, sich zu setzen. Dann sagte er: „Man wird hiernach nicht bezweifeln können, dass dieses Schmuckstück Eigentum der Frau Martha Streckaus gewesen ist ... aber nun sagen Sie, Zeuge, woher haben Sie denn das nun wieder?“

„Das habe ich ebenfalls auf rechtliche Weise erworben! Ein mir bekanntes junges Mädchen hat es mir überlassen.“

„Und wo hat das Mädchen es her?“

Willi Vogel hob die auffallend breiten Schultern: „Das kann ich nicht sagen! Soviel ich weiss, hat sie es von einem ihrer Freunde geschenkt bekommen.“

„Na, da werden wir einfach das Mädchen vorladen ...“

„Das ist leider ausgeschlossen, Herr Landgerichtsdirektor!“

„Warum?“

„Dieses Mädchen, die unverehelichte Alma Pollack, hat sich in einem Anfall von Schwermut und Lebensüberdruss mit Leuchtgas vergiftet!“

Hallmann schüttelte den Kopf: „Damit ist es also auch nichts! Wir haben nunmehr zwei Stücke aus dem Nachlass der Frau Streckaus. Aber von beiden wissen wir nur, dass der Zeuge sie irgendwie erworben hat. Über das Wie macht Vogel Angaben, die das Gericht in der ihm geeignet erscheinenden Weise verwerten wird. Meine Herren!“ Er wandte sich rechts und links zu den Geschworenen und Richtern hin: „Es ist ein bisschen viel Soll in den Behauptungen des Zeugen da! ... Die Vermutung liegt nahe, dass Vogel die Agraffe von van Geldern selbst bekommen hat!“

Der grosse Mann im grauen Anzug blickte überrascht auf. Er sah den Vorsitzenden an und dann hinüber zu dem Angeklagten. Und bei dieser Gelegenheit drehte er den Kopf noch ein wenig mehr und sah, wie nacheinander vier Männer, den Hut in der Hand, so leise wie möglich durch die Schrankentür vom Zuschauerraum in den Verhandlungssaal traten und sich unauffällig rechts und links zu dem Zeugen hinschoben.

Willi Vogel wandte sich voll um mit einer leicht grüssenden Bewegung. Dann, sich wieder dem Vorsitzenden zukehrend, meinte er: „Ich sehe, dass die Behörde sich jetzt schon um mich bemüht. Aber wenn Sie, Herr Vorsitzender, auf meine wohl nicht ganz bedeutungslosen Aussagen — ich bin noch nicht zu Ende —, wenn Sie darauf Wert legen, dann bitte ich Sie, anzuordnen, dass diese vier Herren von der Kriminalpolizei zurück durch die Schranke auf ihre Plätze gehen. Dieser Saal hat nur die eine Tür. Es stehen ausser den beiden Justizwachtmeistern vor und hinter der Tür noch je zwei Schupos. Das sind im ganzen sechs Mann, die sämtlich bewaffnet sind. Ich bin, wovon Sie sich leicht überzeugen können, völlig unbewaffnet. Es wäre also ein lächerliches Unterfangen von mir, wollte ich mich dieser Übermacht mit Gewalt entgegenstellen. Sechs bewaffnete Männer werden wohl selbst mit Willi Vogel fertig werden.“

Hallmann zögerte etwas. Aber dann winkte er den Kriminalbeamten, die durch die niedrige Schranke in den Zuhörerraum zurücktraten und sich dort in der ersten Reihe niederliessen.

Man machte ihnen bereitwillig Platz; nur ein schlankes blasses Mädchen mit schwarzem Lockenkopf, das gleichfalls seinen Sitz



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