Luna 3: Luna – Drachenmond by Ian McDonald

Luna 3: Luna – Drachenmond by Ian McDonald

Autor:Ian McDonald [McDonald, Ian]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Science Fiction
ISBN: 9783641193027
Herausgeber: Heyne
veröffentlicht: 2019-07-08T00:00:00+00:00


15

»Du bist spät dran. Er ist sauer.«

So viele Worte hat Krymsin noch nie an den ersten Fechter von Mackenzie Helium gerichtet.

Nur mit einem String bekleidet, steht Bryce Mackenzie vor dem Fenster und badet im Laserlicht. Falte für Falte zeichnen flackernde rote Strahlen die Fleischmassen nach, als würde ihm das Fett aus den Poren platzen wie Lava. Säcke aus adipösem Gewebe drücken ihm die Schenkel zusammen und wabern schwer über die Brust.

»Du bist spät dran.« Bryce Mackenzies Stimme ist gefährlich sanft.

»Ich weiß jetzt, was los ist.« Finn Warne lässt den Blick über die anderen Vorstandsmitglieder im Zimmer gleiten: von Jaime Hernández-Mackenzie über Rowan Solveig-Mackenzie bis zu Alfonso Pereztrejo. Seit Taiyang den Sonnengürtel hochgefahren hat, kursieren auf dem Mond die wildesten politischen Gerüchte. Ein derart überstürzter Start des Projekts legt die Annahme nahe, dass die Suns keine andere Wahl hatten. »Ich habe Informanten im Palast des Ewigen Lichts.«

»Wen?« Wabbelnd zuckt Bryce die Achseln. Der String ist völlig überflüssig, weil seine Genitalien ohnehin von Hautlappen verdeckt werden. Die Laser erlöschen, die Bots rollen zurück in die Speicherwand.

»Es wäre gefährlich für sie, ihre Namen zu nennen«, antwortet Finn. »Jedenfalls sind sie nah am Vorstand dran. Sie haben mir berichtet, dass die Taiyang-Beauftragten auf der Erde Termine mit Energiegesellschaften vereinbart haben. Vor allem in den Ländern, die in der LMA nicht vertreten sind.«

Bryce bekommt große Augen. Er hat verstanden. »Schlaue Scheißer. Diese schlauen, schlauen Scheißer.«

»Solange sie keinen Übertragungssatelliten haben, nützt ihnen das nicht viel«, gibt der Betriebsleiter Jaime Hernández-Mackenzie zu bedenken. Ganz der alte Jackaroo – gepflegt, stolz, vertrauenswürdig.

»Sun Zhiyuan ist mit seinem ganzen Wanderzirkus unterwegs nach St. Olga«, entgegnet Finn Warne. »Ich habe von ein paar Technikern Simulationen erstellen lassen. Taiyang könnte in sechs Lunen einen Satelliten in Betrieb nehmen, der Solarstrom an ein terrestrisches Mikrowellenfeld weiterleitet.«

»Die nehmen bestimmt Vorbestellungen auf«, bemerkt Rowan Solveig-Mackenzie, der Systemanalytiker von Mackenzie Helium.

»Sie werden es verschenken.« Bryce Mackenzie wirkt nachdenklich. »Am Anfang ist es immer kostenlos. Und wir können unser Gas dann für Luftballons verkaufen.«

»Aber warum schon jetzt?«, wirft der Finanzvorstand Alfonso Pereztrejo ein. »Die sind doch noch lange nicht fertig. Sie verhandeln nach wie vor mit der Universität über die Glasverlegungsrechte. Und wie gesagt, sie haben aktuell keine Möglichkeit, den Strom zur Erde zu schicken.«

»Sie haben doch diese Computer entwickelt, die die Zukunft voraussagen können.« Finn Warne überlegt kurz. »Vielleicht haben sie da einen Blick riskiert und etwas gesehen, das ihnen Angst macht? Große Angst.«

»Was könnte den Suns Angst machen?« Jaime schüttelt den Kopf.

Dienstboten erscheinen mit druckfrischen Kleidern im Arm. Sie schwirren um Bryce herum, probieren, lassen ihn hineinschlüpfen.

»Und das ist noch nicht alles«, fährt Finn Warne fort. »Ich habe mit anderen Gewährsleuten geredet. Es hat ein hochrangiges Treffen zwischen Jewgeni Woronzows Vorstand und Duncan gegeben. Sie haben ein gemeinsames Entwicklungsprojekt vereinbart. Es geht um Asteroidenbergbau. Mackenzie Metals will sein Geschäft weg vom Mond verlagern.«

»Ist das Ganze schon unter Dach und Fach?« Bryce wartet, während die Garderobiers den Sitz der Hose und den Fall des Jacketts anpassen. Schließlich streifen sie ihm Schuhe über die zierlichen Füße.

»Die Juristen arbeiten gerade die Verträge aus.



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