Der liebe Gott und sein teuflisches Bodenpersonal by Brigitte Teufl-Heimhilcher

Der liebe Gott und sein teuflisches Bodenpersonal by Brigitte Teufl-Heimhilcher

Autor:Brigitte Teufl-Heimhilcher
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Papst, Familie, Vatikan, Beziehungen, Liebe, Priester, Kirche
veröffentlicht: 2016-02-29T16:00:00+00:00


Seine Heiligkeit hat schlechte Laune

„Roberto, der Chef verlangt nach Ihnen!“

Monsignore Rinaldo warf einen letzten schwärmerischen Blick in das vor ihm liegende Motor-Journal, legte ein Lesezeichen ein, als handelte es sich um eine wertvolle Schrift, und verstaute die Zeitung in den Tiefen seines Schreibtisches. Dann wandte er sich Erika zu. „Wie ist seine Laune?“

„Nicht besonders. Vermutlich hat er wieder Verdauungsprobleme. Jedenfalls kein guter Tag, um über Veränderungen des Fuhrparks zu sprechen“, setzte sie grinsend hinzu.

„Das hatte ich auch nicht vor“, erwiderte Robert Rinaldo mit einem Zwinkern.

Auf dem Weg ins Appartamento des Heiligen Vaters dachte er darüber nach, wie erstaunlich sich der Ton im Päpstlichen Sekretariat doch verändert hat, seit vor einigen Monaten Frau Professor Wagner aufgetaucht war. Sie war auf ihn zugegangen und hatte gesagt: „Hallo, ich bin Erika.“ Erika, einfach so, dabei wusste doch jeder, dass sie in Wien einen Lehrstuhl für Exegese gehabt hatte, ehe Seine Heiligkeit sie in den Vatikan berufen hat, um einem Arbeitskreis vorzustehen, dem keine geringere Aufgabe zugeschrieben wurde als die, ein drittes vatikanisches Konzil vorzubereiten. Freilich war das so nicht gesagt worden, aber es wusste trotzdem jeder, wie dies innerhalb der Leonischen Mauern öfter der Fall war.

Roberto hatte schon für den Heiligen Vater gearbeitet, als der noch Präfekt des Päpstlichen Haushalts war, und kannte ihn gut genug, um auf den ersten Blick zu sehen, dass es heute besser wäre, nur die allernotwendigsten Dinge vorzubringen. Sicher hatte er sich gestern Mittag im Gästehaus wieder ein Gericht aufschwatzen lassen, das er nicht vertragen hatte. Das war wieder einmal typisch für ihn. Der Heilige Vater war nicht gerade als Süßholzraspler bekannt, ganz im Gegenteil konnte er ziemlich herrisch sein, anderseits fiel es ihm mitunter schwer, jemandem etwas abzuschlagen.

„Was steht heute auf dem Programm?“, fragte Seine Heiligkeit.

„Um zehn Uhr käme Don Pedro, der Priester aus Grado, dessen Ersparnisse wegen Verdachts auf Geldwäsche gesperrt worden sind.“

„Viele Konten sind gesperrt worden und bleiben es bis zum Ende der Prüfung. Was will er von mir? Es wurden doch alle Kontoinhaber davon informiert.“

„Ich weiß. Aber in diesem Fall handelt es sich um nicht ganz siebentausend Euro, die Don Pedro nun für seinen krebskranken Neffen benötigt.“

Seine Heiligkeit zog die Stirn in Falten. „Er soll einen Arztbrief vorlegen, irgendetwas, das seine Behauptung unterstützt. Wenn die Unterlagen glaubwürdig sind, kann der Betrag ausbezahlt werden.“

„Ich werde Don Pedro in diesem Sinne informieren.“

Der Heilige Vater nickte. „Apropos Bank, weiß man schon, wann diese Finanzberater endlich einen Bericht vorzulegen gedenken?“

„Leider nein, die Herren …“

„Sagen Sie den Herren, sie mögen einen Zahn zulegen, schließlich kosten sie eine Stange Geld. Sonst noch etwas?“

Kein Zweifel, dachte Roberto lächelnd, auch die Wortwahl seiner Heiligkeit hat sich in der letzten Zeit etwas verändert.

„Nichts, das sich nicht verschieben ließe.“

„Gut, ich möchte an meiner nächsten Predigt arbeiten.“

Das Schreiben von Predigten und Ansprachen des Papstes wurde früher vom Präfekten des Päpstlichen Hauses erledigt. Deshalb fragte Roberto nun: „Soll ich Erzbischof Fuscotti …“

„Nein“, knurrte Seine Heiligkeit.

Roberto verbeugte sich und suchte das Weite. Heute war mit dem Chef aber wirklich nicht gut Kirschen essen.

* * *

Nachdem Monsignore Rinaldo gegangen war, trank Leo von seinem Kamillentee, dann trat er ans Fenster.



Download



Haftungsausschluss:
Diese Site speichert keine Dateien auf ihrem Server. Wir indizieren und verlinken nur                                                  Inhalte von anderen Websites zur Verfügung gestellt. Wenden Sie sich an die Inhaltsanbieter, um etwaige urheberrechtlich geschützte Inhalte zu entfernen, und senden Sie uns eine E-Mail. Wir werden die entsprechenden Links oder Inhalte umgehend entfernen.