Der AugenBlick by Gottfried Abrath

Der AugenBlick by Gottfried Abrath

Autor:Gottfried Abrath
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Books on Demand
veröffentlicht: 2015-01-15T00:00:00+00:00


14

Blum wanderte durch die Straßen nach Hause. Es war früher Abend und das Leben war überall zu voller Kraft erwacht, erwartungsvoll ging es der fin de semana, dem Wochenende, entgegen.

Nach dem Schrecken im Wiener Café war ihm selbst wenig nach Feiern und ausgelassenem Tun zu Mute. Vandenbergh hatte eindeutig feststellen können, dass das Päckchen von Walther eine Briefbombe enthielt. Die Nähe des Feindes ließ Blum unruhig werden. Wie nah ist der Tod! Schon an sich, immer ganz knapp geht es vorbei, umso mehr, wenn das Böse uns töten will, morden.

Wer kann das tun wollen? Warum hasste ihn jemand so sehr, dass er es auf sich nahm, zu töten? Wusste dieser Mensch nichts davon, dass Töten das schlimmste aller Verbrechen ist, unverzeihbar schon deshalb, weil der, der tot ist, nicht mehr vergeben kann?

Lange schon nicht mehr hatte er dies Gefühl gehabt, dass ihn jemand verfolgen und töten wollte. Begraben hatte er in sich die Angst, die damit zusammenhängt und dem Leben Schranken baut. Er hatte damals, die Einstellung entwickelt: es ist vorbestimmt. Ohne dass ich weiß und etwas tun kann. Genau das musste er jetzt in sich wachrufen. Es wird genau so sein, wie es bestimmt ist. Dieses Gefühl hatte ihm seinerzeit das Überleben gesichert, fast angstfrei hatte er durch die schwersten Zeiten gehen können.

Aber, so spürte er jetzt, ich habe nicht Angst um mich. Ich bin so froh, so lange schon zu leben. So reich erfüllt waren diese fast 60 Jahre, so viel habe ich entdecken dürfen, so viel erfahren und erforschen. Ich habe mir immer vorgestellt, wenn es zu Ende sein soll, dann fast am liebsten gerade da, wo die Fülle so spürbar ist, gerade, wo ich der Dankbarkeit so nah sein kann noch ohne alle Last und ohne jeden Schmerz.

Aber um seinen Pflegling sorgte er sich.

Vielleicht ist auch das ganz falsch. Sie wird von so guter innerer Kraft geleitet. Ich muss mich nicht mehr sorgen. Und ich kann nicht immer für sie da sein. Wenn mir etwas zustößt, ja dann wäre es gut, einen erfahrenen Menschen, einen wie Vandenbergh zu bitten, für sie da zu sein, nur nach ihr zu sehen. Ja, das wäre schon gut. Er würde ihm von dem Mädchen erzählen. Vandenbergh würde es verstehen und die Aufgabe sehen, auf eine sanfte Art.

Blum erreichte sein Haus, das in einem versteckten Winkel in der Sonne des späten Nachmittages lag. Wie liebte er diese Stunde, wo sich der Tag sachte niederschwang, das Glühende nachließ, überging in den Abschied vom Licht und gerade im Sterben so schön.

Er vermisste in Bolivien die noch größere Langsamkeit im Gehen der Sonne, das Einsinken in das Meer, das er an der holländischen Küste so oft und mit Wehmut betrachtet hatte. Die Tage wurden jetzt auch nur um ein Geringes kürzer, aber hier ging es viel rascher vor sich, es machte es den Menschen vielleicht leichter. Ruckartig war die Finsternis da. Und wir glauben doch, dass der Tag beginnt, wo es dunkel wird. Da ist neuer Anfang, nicht etwa Ende.

Ja, sagte eine andere Stimme



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