Blaue Bäume by Horst Prosch

Blaue Bäume by Horst Prosch

Autor:Horst Prosch [Prosch, Horst]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: 978-3-86913-417-8, 978-3-86913-451-2, ars vivendi verlag, ars, vivendi, Verlag, Franken, Cadolzburg, Kriminalroman, Krimi, Regionalkrimi, Horst Prosch, Blaue Bäume, Kommissar Brendles erster Fall, Ansbach, Brendles, erster Fall, Horst, Prosch, Klavier, Blaue, Bäume
Herausgeber: ars vivendi verlag Gmbh & Co. KG
veröffentlicht: 2015-04-19T00:00:00+00:00


So hätte es sein können, in den letzten Minuten.

Kein roter See unter mir.

Aber so war es nicht.

Und das Kunsthaus ist voller Erwartung.

Niemand weiß, was die Künstler für Eduard Lieblich planen.

Postum.

Die Aufregung nähert sich in homöopathischer Dosierung. Mein Helmut hat die Stühle gestellt. Die Kerzen vorbereitet. Und J.K. will vorbeikommen, um auf mir zu üben.

Ich freue mich sehr.

Ich freue mich auf alle Gäste, die kommen.

Sogar auf den Brendle.

Dem werde ich über die Füße rollen, irgendwie.

Ihm einen Marsch spielen, dass er rückwärts durch die Gänge stolpert, sich in seinen Schnürsenkeln verheddert, auf dem Pflaster aufschlägt und mit aufgerissenen Augen wieder zu sich kommt. So also ist das Kunsthaus, so schlimm?

Ja, wenn er das gewusst hätte, dann wäre er gleich mit einem Sondereinsatzkommando angerückt, und nicht allein.

Und der Mensch mit dem Didgeridoo soll dem Brendle ein Grummeln in den Magen blasen. Damit er bessere Laune bekommt. Und vielleicht ein Lächeln sehen lässt. Ich kann Menschen mit schlechter Laune nicht ausstehen. Die sind so anstrengend. So fad. So kompliziert.

Der Mensch mit dem Didgeridoo war vor Jahren einmal bei uns im Kunsthaus. Er hat die Wände zum Beben gebracht. Die Bilder haben sich verneigt, die Skulpturen einen komischen Walzer getanzt. Hintereinander, nicht nebeneinander. Wie an Fasching. Nur besser. Von den Stühlen sind die kleinen Kissen aufgesprungen und haben Purzelbäume vollführt.

Sie lachen.

Ja, dann lachen Sie ruhig.

Bestimmt werden Sie auch lachen, wenn ich erzähle, was nachts im Kunsthaus vor einer Vernissage geschieht.

Dann hängen die Bilder an den Wänden und bekriegen sich. Und behaupten mit aufgeblähter Leinwand und breitem Grinsen, sie hätten den besten Platz erwischt. Oder den schlechtesten, je nachdem. Oder sie machen sich wichtig. Weil sie ganz vorne hängen, am Eingang. Oder brüsten sich damit, ein Blickfang zu sein, der Blickfang überhaupt, weil sie gleich hinter mir an der Wand hängen. Und während die Besucher meinen Klängen lauschen, würden diese ständig nur sie anschauen. Anglotzen. Und nichts verstehen. Oder ganz tief eintauchen. In die wunderbaren Farben.

Wenn die Farben wunderbar sind.

Die Farben beschweren sich manchmal, sie kämen nicht gut zur Geltung. Der Lichteinfall sei nicht ideal.

Und überhaupt.

Überhaupt hätten sie nicht ins Licht gerückt werden wollen, wie es bei der Jahresausstellung des Kunstvereins immer heißt: Ins Licht gerückt. Sie seien noch nicht fertig. Eigentlich seien sie niemals fertig. Aber dann war dieser Termin im Kunsthaus plötzlich da gewesen, und nun mussten sie, so unfertig wie sie sind, ihren Platz auf der Staffelei aufgeben und wurden hierher verfrachtet.

Ins Kunsthaus Reitbahn in Ansbach.

Ob sie nun wollten oder nicht.

Allein die Fahrt hierher war die reinste Tortur. Verpackt in so einem Luftpolsterumschlag. Hineingequetscht in einen Kofferraum, in dem es nach einem Kanister Motorenöl und alten Kartoffeln und was auch immer roch.

Das ist doch nicht dein Ernst, oder?

Haben die Bilder ihren Künstler gefragt.

Das ist doch nicht dein Ernst?

Aber der hat nicht geantwortet, nicht wirklich.

Los, rein da.

Und dann hat er gedrückt und gequetscht und trotzdem höllisch aufgepasst, dass seinen Lieblingen nichts geschieht. Er hat sie doch mit Herzblut gemalt, sich diese Abstraktionen und Figurationen und versteckten Selbstbildnisse aus der Hand geschüttelt, dem Pinsel abgetrotzt, bis spät in die Nacht.



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