Perfect Day by Romy Hausmann

Perfect Day by Romy Hausmann

Autor:Romy Hausmann [Hausmann, Romy]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Thriller/Krimi
Herausgeber: dtv
veröffentlicht: 2021-12-31T23:00:00+00:00


»… Für Ann, die er gnadenlos verarscht hat.« Ich stehe mit verschränkten Armen gegen die Küchenzeile gelehnt und schüttele fassungslos den Kopf. Jakob sitzt am Tisch. Er sieht blass aus, mitgenommen von der wohl längsten Nacht seines Lebens und der Frage, ob er sie überleben würde. Die Wolldecke, die ich ihm aus dem Wohnzimmer geholt habe, liegt über seinen Schultern wie ein Mantel. Seine Hände wärmt er an einem Becher Tee. Trotzdem scheint er sich kein bisschen zu schämen; er hat es sogar geschafft, mir während seiner Erzählung unverhohlen in die Augen zu blicken.

»Als ob du etwas anderes getan hättest.«

»Wie bitte?«

»Denk mal dran, was du deinen Kollegen bei Big Murphy’s vorgespielt hast.«

»Ach so, und deswegen hatte ich diese Scharade deiner Meinung nach verdient.«

»Wir können gerne darüber diskutieren, ob ich es verdient hatte, einen halben Tag lang in meinen Kofferraum gesperrt zu werden.« Er donnert seine Handflächen auf die Tischplatte und erhebt sich. »Ich hätte sterben können, Ann!«

»Setz. Dich.« Neben mir auf der Arbeitsfläche liegen griffbereit ein Messer und mein Handy. Es reichen ein Blick darauf und die Tatsache, dass er mich nach letzter Nacht nicht mehr einschätzen kann. Ich könnte Ann sein, die aus einem spontanen Impuls heraus gehandelt hat, oder Ann, der mittlerweile alles egal ist. Ich könnte die Polizei anrufen und ihn als den Einbrecher von gestern Abend melden oder ihm mein Messer zwischen die Rippen jagen. Ich könnte auch beides tun und das eine als Notwehr vor dem anderen rechtfertigen. Also tut er, was ich sage, und sinkt zurück auf seinen Stuhl.

»Gut. Und nun?«

Ich presse meine Kiefer aufeinander. Er soll nicht wissen, wie ich mich fühle. Dass ich selbst kaum glauben kann, wie wir in diese Situation hineingeraten sind. Wie er da lag, gestern Abend, am Fuß unserer Treppe. Wie ich über ihm kniete in der Erwartung, dass Marcus Steinhausens Gesicht unter der Skimaske zum Vorschein käme. Stattdessen sah ich Jakob, meinen Freund. Wir hatten zusammen zu Lou Reed getanzt. Wir waren wie Flugzeuge durch einen sommerblauen Himmel gekreist. Jakob, der Verräter. Er hat die Platte zerkratzt und mir die Flügel gebrochen.

Enttäuschung. (Ann, 9 Jahre alt)



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