Die verborgene Natur der Liebe: Sex und Leidenschaft und wie wir die Richtigen finden by Thomas Junker

Die verborgene Natur der Liebe: Sex und Leidenschaft und wie wir die Richtigen finden by Thomas Junker

Autor:Thomas Junker [Junker, Thomas]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Psychology, Psychotherapy, Couples & Family, C.H.Beck
ISBN: 9783406697906
Google: R4SvDAAAQBAJ
Herausgeber: C.H.Beck
veröffentlicht: 2016-07-17T23:00:00+00:00


Warum so kompliziert?

Warum hat sich bei manchen Arten ein so komplexes System herausgebildet? Bei Primaten kommt es vor allem in extremen Lebensräumen vor, in Hochgebirgen oder Halbwüsten. In solchen Gebieten lässt es sich nicht vermeiden, getrennt auf Nahrungssuche zu gehen; gleichzeitig kann der Schutz durch eine größere Gruppe unerlässlich sein. Dieser ökologische Aspekt könnte auch in der Evolution der Menschen eine Rolle gespielt haben.

Es gibt aber noch einen anderen Grund: Schon bei unseren vor zwei Millionen Jahren lebenden Homo-erectus-Vorfahren hatten die Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit vor allem wegen der größeren Gehirne der Kinder deutlich höhere biologische Kosten als andere Primaten. Sie waren also auf Unterstützung angewiesen. Aber durch wen?

Im Prinzip kommen dafür drei Kandidaten in Frage: andere Frauen, Verwandte im Allgemeinen und die Väter. Weibliche Solidarität gibt es auch im Tierreich, beispielsweise bei den Bonobos. Häufiger ist die Unterstützung durch weibliche Verwandte, durch Mütter und Großmütter, durch Schwestern und Töchter. Man kann das auch bei Menschen beobachten: Üblicherweise kümmern sich die Mütter nicht alleine um die Kinder und bewachen diese eifersüchtig. Die Kleinen werden vielmehr von älteren Geschwistern, Freunden und Verwandten herumgetragen, beaufsichtigt und angeleitet.[121]

Was aber ist mit dem Vater einer Frau und mit dem Erzeuger ihrer Kinder? Wäre deren Hilfe nicht ebenso willkommen? Das ist zweifelsohne der Fall, aber es setzt voraus, dass ein Mann weiß, welche Kinder die eigenen sind. Eine Frau wiederum kann den Vater ihrer Kinder sowie den eigenen Vater und Großvater nur um Hilfe bitten, wenn sie weiß, wer sie sind. Das ist nur möglich, wenn ihre eigenen sexuellen Beziehungen und die ihrer Mutter und Großmutter überschaubar waren. Dann aber kann sie die Zahl der familiären Unterstützer auf einen Schlag verdoppeln: Zur mütterlichen Seite kommt die väterliche Seite hinzu. Umgekehrt gilt: Ist unklar, wer die Väter sind, halbiert sich die mögliche Hilfe.[122]

All das mag keine entscheidende Rolle spielen, wenn staatliche Institutionen oder andere Organisationen an die Stelle der Familien treten. In den längsten Zeiten der Menschheitsgeschichte war die Unterstützung durch die väterliche Seite aber ein oft überlebenswichtiger, auf jeden Fall willkommener Zugewinn. Insofern ist zu erwarten, dass Frauen noch heute entsprechende Verhaltensweisen zeigen. Dass sie beispielsweise eifersüchtig sind und ihre Männer gegen Rivalinnen verteidigen, um zu verhindern, dass die Unterstützung durch die väterliche Seite in fremde Hände gerät. Und dass sie ihrerseits einigermaßen treu sind.



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