Wut by Bob Woodward

Wut by Bob Woodward

Autor:Bob Woodward [Woodward, Bob]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Amerika, Angst, China, China Virus, Corona, Corona-Pandemie, Coronavirus, Covid 19, Donald Trump, Enthüllen, Enthüllung, Fake News, Fear, FLOTUS, Interview, Interviews, investigativer Journalismus, Kim Jong Un, Krise, Lügen, Mr. President, Nordkorea, Oval Office, Pandemie, POTUS, Präsident, Präsidentschaftswahlen, Rassismus, Regieren, Regierung, Republikaner, Republikanische Partei, Skandal, Trump, Vereinigte Staaten von Amerika, Wahlen, Washington Post, Watergate, Weißes Haus, Wirtschaftskrise, Xi Jinping
ISBN: 9783446269781
Herausgeber: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
veröffentlicht: 2020-10-06T22:00:00+00:00


Einunddreißig

Montag, den 20. Januar, am Martin Luther King Jr. Day, rief mich Trump überraschend gegen halb eins zu Hause an. Ich kam buchstäblich eben zur Tür herein und hatte den Recorder nicht greifbar. Deshalb beruht der Bericht über dieses Gespräch auf handschriftlichen Notizen.

A Very Stable Genius wurde gerade ausgeliefert. Das Buch meiner beiden Washington Post-Kollegen Philip Rucker und Carol Leonnig war äußerst Trump-kritisch. »Das wird nicht gut laufen«, erklärte mir Trump.

Es lief bestens und stand bald auf Platz eins landesweit und auf der Bestsellerliste der New York Times.

Ich fragte Trump, ob er es gelesen hatte.

»Nein, nur eine Rezension.« Da werde an einer Stelle behauptet, er habe anscheinend kaum Ahnung über Pearl Harbor, aber das stimme nicht, sagte er. Es ging um eine Szene bei einem privaten Besuch des Mahnmals oberhalb des 1941 von den Japanern zerbombten und gesunkenen Kriegsschiffs USS Arizona. Rucker und Leonnig berichten, wie verblüfft Stabschef John Kelly war, dass Trump die Geschichte von Pearl Harbor nicht kannte und erst erklärt bekommen musste.

»Ich weiß alles über Pearl Harbor«, sagte er mir. »Wie können die behaupten, dass ich nichts weiß?« Dann spulte er ein paar korrekte Brocken Geschichte ab. »Alles reine Erfindung.«

Ich entgegnete, dass die beiden exzellente Journalisten sind und ihre Informanten haben. »Zitate laufen auf Treu und Glauben.«

»Tja«, sagte er, »siebzig Prozent sind erfunden.«

»Sie haben ihre Informanten«, sagte ich noch einmal und dass seine Pauschalablehnung der Medien als Fake News meiner Meinung nach in die falsche Richtung zielte. Natürlich mache jeder mal einen Fehler. Aber er müsse einfach begreifen, dass beim Umgang mit Quellen durch die Bank auf Treu und Glauben vorgegangen wird.

»Tja«, scherzte er, »aber ich habe Russland und Sean Hannity auf meiner Seite.«

Dann zitierte er eine Rasmussen-Umfrage vom 16. Januar, laut der er 51 Prozent Zustimmung bei potenziellen Wählern habe, und das sei wundervoll.

»Sie glauben doch nicht etwa an Umfragen?«, fragte ich.

»Na ja, nein, das nicht. Da glaube ich nicht dran.« 2016 war Hillary Clinton bei den meisten Umfragen der Sieg vorausgesagt worden.

Was er denn vom Editorial der New York Times halte, das den Demokraten gerade anempfohlen hatte, Amy Klobuchar und Elizabeth Warren als Kandidaten zu nominieren, wollte ich wissen.

»Gegen Elizabeth zu kandidieren, wäre mein Traum.« Der Satz kam laut und anscheinend aufrichtig.

Er erzählte, kürzlich sei Henry Kissinger im Weißen Haus gewesen und habe ihm gesagt, in Anbetracht des Impeachments sehe er prächtig aus. »Nixon war während der Ermittlungen zu Watergate und zum Impeachment ein Nervenbündel.«

Ich besaß die Briefe, die Kim Jong-un an Trump geschrieben hatte, und sagte ihm, ich würde mir gern die andere Seite ansehen — seine Briefe an Kim Jong-un.

»Die sind streng unter Verschluss«, sagte er. Er wollte nicht, dass ich die bekomme. »Über Kim dürfen Sie sich nicht lustig machen. Ich möchte keinen Scheißatomkrieg haben, weil Sie sich über ihn lustig gemacht haben.«

Ich erklärte, behutsam damit umzugehen und mich nur an das zu halten, was drinstand. »Ich werde mich nicht über ihn lustig machen.«

Etwas später im Gespräch kamen wir zurück auf die Trump-Kim-Briefe. »Machen Sie sich nicht lustig über Kim«, fing Trump wieder an, und noch einmal: »Ich will keinen Scheißatomkrieg.



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