Rabenschwarze Beute by Förg Nicola

Rabenschwarze Beute by Förg Nicola

Autor:Förg, Nicola [Förg, Nicola]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Krimi
Herausgeber: Piper
veröffentlicht: 2018-06-03T22:00:00+00:00


9

Irmi, Kathi, Andrea und Sailer trafen sich am nächsten Tag um halb neun am Froschhauser See und fuhren langsam das Sträßchen entlang Richtung Höhlmühle. Eine stille Landschaft, die zauberhaft schockgefrostet wirkte.

Hier gab es tatsächlich Pferdeställe, von denen jedoch nicht alle besetzt waren. Einige dienten wohl nur als Sommerquartier, denn für Pferdehaltung brauchte man Wasser. Ob man ohne eine frostsicher gefasste Quelle mehrfach am Tag Wasser in Kannen anliefern musste?, fragte sich Irmi. Aber Pferdeleute waren ja allgemein etwas irre.

Sie durchstreiften das Filz, es gab eine Reihe von Wegen abseits der Teerstraße, und nach kalten fünfundvierzig Minuten wurde Sailer fündig.

»Das is es doch!«

Das war tatsächlich der Offenstall, den sie auf dem Foto gesehen hatten, und sie konnten in etwa ausmachen, wo Göldner gestanden haben musste. Langsam zogen sie Spuren in die verschneite Moorwiese. Auf einmal dröhnte es, und etwa drei Meter vor ihnen fuhr ein Schuss in den Boden. Schrotkugeln spickten vom eisigen Boden ab und wagten ein Tänzchen. Irmi war derart erschrocken, dass ihr Herz einen Hüpfer machte. Kathi schrie: »Scheiße!«, und Andrea war ebenso erstarrt wie die Natur ringsum.

Sailer hatte als Einziger seine Dienstwaffe dabei, riss sie hoch und brüllte: »Polizei! Kimm raus, du Weihnachtsmann!«

Überraschenderweise folgte der Schütze seiner Aufforderung. Mit seinem Gewehr im Anschlag kam er auf sie zu.

»Ja, du Erzdepp, du! Nimm den Prügel runter!«, brüllte Sailer.

Der Mann senkte die Waffe.

»Was machts ihr do? Des is mei Grund!«, brüllte er zurück.

»Ach, und da schießen Sie zur Begrüßung gleich mal?«, konterte Irmi wütend. Waren sie hier in Amerika, wo jeder sich bis an die Zähne bewaffnete und Selbstjustiz übte?

»Des is mei Grund! Sie san auf Privatgrund. Hausfriedensbruch is des!«

»Ja glauben Sie, ich schieß gleich auf jeden Wanderer oder Mountainbiker, der auf meinem Grund unterwegs ist?« Irmi hatte die Augen zusammengekniffen. »Geben Sie mir mal Ihre Waffe!«

»Warum?«

»Weil wir die Polizei sind. Und weil Sie uns bedroht und eventuell sogar in Tötungsabsicht auf uns geschossen haben.«

Er sah Irmi scharf an. »Erstens: Woher woaß i, dass ihr die Bullen seid? Zweitens: Tötungsabsicht? Dass i ned lach. Ich hab meterweis vor euch gschossn, und zwar mit Schrot.« Er lachte abfällig.

»Dass wir die Polizei sind, werden Sie daran sehen, dass wir Sie jetzt verhaften. Wegen des tätlichen Angriffs. Wird das jetzt was mit der Waffe?«

»Des is a Schrotflinte!«

»Und mit Schrot auf gefrorenen Boden zu schießen ist sauschlau, oder? Sie können bloß von Glück sagen, dass keiner von uns eine Kugel im Knie oder im Arsch hat.« Auch Kathi war sauer. »Oder was meinen Sie, Herr …?«

»Des war a Warnschuss. Wegen Hausfriedensbruch auf meim Grund. Mehr ned. Ihr spinnts doch!«

»Machen Sie es nicht noch schlimmer. Würden Sie jetzt bitte mal Ihren werten Namen nennen?«

»Schickler, Schickler Gernot.«

»Quod erat expectandum«, grummelte Irmi.

»Hä?«

»Herr Schickler, Sie kommen jetzt mal mit auf Garmisch, und dann reden wir mal über Schrotgewehre. Aber auch über den Milan und seinen Horst. Und über Markus Göldner. Den kennen Sie doch?«

»Den Vogelschützerdeppen? Ja, was glaubts? Ich hob denkt, ihr seids aa so depperte Umweltschützer. Zwecks dem Windradl.«

Es war schon drollig: Schickler bestätigte alles, was sie vermutet hatten.



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