Leon Ritter 02 - Schwarzer Lavendel by Eyssen Remy

Leon Ritter 02 - Schwarzer Lavendel by Eyssen Remy

Autor:Eyssen, Remy [Eyssen, Remy]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Kriminalroman
Herausgeber: Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
veröffentlicht: 2018-03-22T16:00:00+00:00


40. KAPITEL

Leon hatte kaum geschlafen. Jetzt, nach zehn Minuten unter der heißen Dusche, betrachtete er sich im Spiegel seines Badezimmers. Er strich sich mit den Fingerspitzen durch die Haare, die über den Schläfen einen leichten Silberschimmer zeigten, der auch dann nicht verschwand, wenn er den Kopf im Sonnenlicht drehte. Du wirst älter, finde dich damit ab, sagte er sich. Als Junge hatte er sich oft Sorgen gemacht, ob er einmal den richtigen Beruf ergreifen würde. Was wäre, wenn er eine ganz große Begabung hätte, von der er aber nichts wusste? Vielleicht würde er dann sein Leben lang das Falsche tun. Heute wusste er, dass die Rechtsmedizin genau das war, wonach er von Anfang an gesucht hatte. Darum fühlte er sich nach anstrengenden Nächten wie der vergangenen nicht müde, sondern wie neu geboren.

Leon kam in die Küche, wo Isabelle kleingeschnittene Bananen und Äpfel in eine Schale füllte und einige Löffel gehackte Nüsse dazugab.

»Sieht nach einem vorbildlich gesunden Frühstück aus«, sagte Leon.

»Guten Morgen, Docteur. Was gibt’s Neues?«, fragte Isabelle.

»Wieso?«

»Weil du bester Laune bist, obwohl du erst heute Morgen um vier Uhr nach Hause gekommen bist.«

»Schuldig«, sagte Leon, hob die Hände und lächelte Isabelle an.

»Also?«, fragte sie. Leon zuckte mit den Schultern. »Ich weiß schon. Immer schön an die Vorschriften halten.« Sie hob die Schale mit dem Obst hoch. »Willst du was?«

»Ich möchte aber Lilou nichts wegessen.«

»Die glaubt, Müsli wäre nur was für alte Leute über dreißig.«

»Erzähl ihr, dass es schön macht«, sagte Leon.

»Wenn du fünfzehn bist, ist dir das egal. Da bist du noch unverwundbar.«

»Warum verlieren wir nur dieses Gefühl, wenn wir älter werden?«, wunderte sich Leon.

In diesem Moment tauchte Lilou in der Tür auf.

»Redet ihr über mich?«, fragte das Mädchen.

»Achtung, Leon, sie ist da«, sagte Isabelle übertrieben verschwörerisch.

Lilou trug Jeans und T-Shirt. Die Haare waren lose zusammengefasst und wurden von einer großen pinkfarbenen Erdbeere aus Plastik gehalten. In der Hand hielt Lilou einen Rucksack mit ihren Schulsachen, den sie achtlos auf den Boden fallen ließ. Auf ihrem Oberarm konnte man, halb vorm Ärmel verdeckt, das Tattoo einer Rose mit roter Blüte erkennen.

»Ist das ein Tattoo?!« Isabelle versuchte, ruhig zu bleiben.

»Jetzt chill mal wieder. Ist nur aufgeklebt.« Lilou drehte ihren Arm so, dass Leon das Tattoo aus der Nähe sehen konnte.

»Sieht toll aus«, sagte Leon. »Und es wirkt so seriös.«

Lilou überhörte die Bemerkung. »Wird das ein Müsli?« Sie deutete mit spitzem Finger auf die Schüssel, als würde sie tote Käfer enthalten.

»Klar. Willst du was?«, fragte Leon. »Gib dem ausgehungerten Kind meine Schüssel.«

»Nein danke. Wirklich nicht«, sagte Lilou mitleidig.

»Was ist falsch an Müsli?«, fragte Leon.

»Da sind Bananen drin.«

»Ist was mit den Bananen?« Isabelle sah besorgt ihre Bananen an.

»Die werden in Costa Rica von kleinen Kindern gepflückt, in der glühenden Sonne. Wusstet ihr das nicht?«

»Klingt doch vernünftig«, Isabelle betrachtete das Müsli, »dann können sich die Eltern wenigstens mal ausruhen.«

»Das ist nicht witzig«, entgegnete Lilou. Sie ging zum Tisch, brach sich ein Stück vom Baguette ab und griff nach dem Marmeladenglas. Offensichtlich war sie nicht zum Reden aufgelegt.

»Was ist los?«

»Wir haben so eine dämliche Schulaufgabe bekommen.



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