Die Honigprinzessin (German Edition) by Julia Drosten

Die Honigprinzessin (German Edition) by Julia Drosten

Autor:Julia Drosten [Drosten, Julia]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Drosten Westf.
veröffentlicht: 2014-02-05T23:00:00+00:00


Kapitel sieben ~ November

[Die Bienenvölker] müssen jetzt gut vorbereitet sein, genügend Futter haben, eine Königin, die sie über den Winter versorgen und genügend Raum. […] Ich zurre mit Schnüren die Bienenkisten fest, damit die Herbst- und Winterstürme keinen Schaden anrichten können. Zum Beschweren der Kisten lege ich zusätzlich einige Steine auf den Deckel.

(zitiert nach: Erika Mayr, Die Stadtbienen. Eine Großstadt-Imkerin erzählt, München 2012)

„Hast du schon mal von DDT gehört?“, fragte Georg.

„Hä?“, machte Alina und blickte durch die Glasfront des Wohnwürfels in den Garten.

Es war Anfang November. In Berlin gab es bereits Nachtfröste und der Himmel glich meistens einem schmutzigweißen Laken. Heute aber schien die Sonne und ließ die Beeren von Hagebutte und Sauerdorn, Stechpalmen und Eiben in Georgs im Winterschlaf liegenden Garten rot aufleuchten. Zwischen den kahlen Ästen seiner Obstbäume turnte ein Eichhörnchen, auf der Terrasse hüpften Meisen, Spatzen und Rotkehlchen um den Futterplatz und auf der Wiese nagten Kaninchen am welken gelben Gras.

Sven stand vor dem Schuppen, schmolz das Wachs der gebrauchten Bienenwaben ein und sah dabei beunruhigend attraktiv aus. Trotz des unansehnlichen Outfits aus Gummistiefeln, fleckiger Jeans und alter Lederjacke konnte Alina kaum den Blick von ihm wenden. Es wirkte so souverän, wie er dort draußen hantierte. Hätte er ihr erzählt, dass er von Kind an in der freien Natur lebte und gewohnt war, sich sein Essen zu schießen und in Fallen zu fangen, sie hätte ihm geglaubt.

Hinter Sven an der Wand des Schuppens lehnten mehrere Stapel mit gebrauchten Waben von Georgs vergifteten Bienenvölkern. Davor stand ein Hockerkocher mit einem großen Stahltopf, in dem Wasser blubberte. Jetzt nahm Sven wieder einen Holzrahmen und tauchte ihn samt Wabe ins kochende Wasser. So schmolz er nicht nur das Wachs, sondern tötete auch sämtliche Krankheitserreger. Anschließend schöpfte er das flüssige Wachs in eine Saftpresse, die neben ihm auf einem Tisch stand. Von dort lief es über einen Schlauch in einen kleineren Kochtopf. Wenn es fest wurde, verwandelte sich die unansehnliche Brühe in köstlich duftende goldgelbe Laibe, aus denen Georg bei einem Händler für Imkereibedarf die Waben für das neue Bienenjahr anfertigen ließ.

„Ich verstehe ja, dass mein Sohn dich beeindruckt, aber darf ich deine geschätzte Aufmerksamkeit auch ein bisschen beanspruchen?“, meldete Georg sich erneut zu Wort.

Alina wurde rot. Ob Georg wusste, wie nahe sie und Sven sich inzwischen gekommen waren? Bis jetzt hatte er sich nichts anmerken lassen, aber er und sein Sohn waren sehr vertraut miteinander. Gut möglich, dass Sven seinem Vater gegenüber die eine oder andere Bemerkung fallengelassen hatte.

„Ich habe nur überlegt, wie seltsam ich es finde, dass wir uns bis zum Frühjahr nicht mehr um die Bienen kümmern müssen. Hoffentlich geht es ihnen gut und sie frieren nicht.“

Das war immerhin die halbe Wahrheit, denn Alina sorgte sich tatsächlich um das Wohl der kleinen Insekten. Noch im Jahr zuvor hatte sie sich gefreut, wenn mit dem Herbst endlich keine Wespen, Bienen, Mücken und Fliegen mehr unterwegs waren. Dieses Jahr fehlten ihr zwar nicht die Wespen, Mücken und Fliegen, doch sie vermisste das Gesumme und Gewusel der Bienen. Anfang Oktober, als



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