Fürchte den Xenos by Christian Dunn (Hrsg.)

Fürchte den Xenos by Christian Dunn (Hrsg.)

Autor:Christian Dunn (Hrsg.)
Die sprache: de
Format: mobi, epub
Herausgeber: Black Library
veröffentlicht: 2014-06-15T00:00:00+00:00


Gesichter

Matthew Farrer

Am Ende konnte Jann nicht fernbleiben. Also kehrte sie zurück, kroch in die rötlich verschwommenen Schatten des Turms, gebeugt und mit einem rostigen Drehmomentstab in der Hand. Der tosende, hämmernde Sturm hatte sich bereits vor zwei Tagen gelegt, und egal wie sehr sie sich auch anstrengte, Jann hörte lediglich das leise Knistern ihrer Schritte auf der sandigen Verwehung und ihre eigenen, trockenen und verängstigten Atemzüge. Zu dieser Stunde, aus diesem Blickwinkel war der Depotturm ein lichtloser Kasten, der sich schwarz vor dem blutroten Himmel dahinter abzeichnete. Keine Bewegung, keine Stimmen. Selbst die gewaltige metallene Pipeline blieb stumm.

Die starken Winde des Sturms hatten den Boden geglättet. Die einzigen Fußspuren vor der südlichen Tür stammten von Jann selbst. Die stolpernde und schlurfende Spur ging von der kleinen Sturmluke aus und verschwand hinter einem der gewaltigen Stützfundamente der Pipeline. An diesem Ort hatte sie sich verkrochen und die Nacht verbracht, zitternd und ihren seltsamen Träumen hilflos ausgeliefert. Jetzt führten ruhigere und weichere Abdrücke von ihrem Versteck zurück bis hierher. Sie schritt leise voran, um Heimlichkeit bemüht, obwohl sie wusste, dass es keinen Unterschied machte. Sie würde dort hineingehen müssen und sie finden. Sie würde sie alle finden. Sie würde es ihnen offenbaren, ihr …

… Gesicht.

Sie ging leisen Schrittes zu der Luke, bewegte den Stab von einer Seite zur anderen und bemühte sich herauszufinden, wie sie am besten damit zuschlagen konnte, falls ihr einer von ihnen auflauerte. Es würde dunkel sein. Im Turm waren lediglich der Kontrollraum in der Turmspitze und die Quartiere beleuchtet. Der Gedanke beruhigte sie für einen Augenblick. Sie dachte an die dunklen Räume und Gänge. An das dunkle, unerforschte Land, das sie noch nie gesehen hatte. Sie glitt weit oben leise darüber hinweg. Fremdartige Berge, von silbernem Licht geküsst, doch dann brach das Bild und verzerrte ihre Gedanken. Für einen Moment versagte ihre Kraft. Sie stöhnte leise und blickte zum Himmel auf, doch dort war kein weißer Mond, um ihr zu helfen. Der weiße Mond sollte da sein. Jann hatte noch nie einen Mond gesehen, egal welcher Farbe, aber der weiße Mond hätte da sein sollen.

Sie senkte ihre Augen wieder und stand taumelnd in der Tür. Für einen kurzen Augenblick schien es ihr, als stünde sie kurz davor, alles zu verstehen, was ihr widerfuhr. Dann, ein Blinzeln und einen Atemzug später, und es war wieder fort wie

(Mondlicht)

Rauch zwischen ihren Fingern. Sie stellte fest, dass sie durch die Luke getreten war. Sie atmete schwer und zwang ihre Augen, sich an die Dunkelheit anzupassen. Ihr Griff um den Stab war so fest, dass die rostige Textur des Griffes in ihre Handflächen biss. Sie nahm ihn näher zum Körper, eher wie einen Wanderstab, was sie ein wenig beruhigte. Keine Mondsteine, aber besser als nichts.

Die Maschinen, die tief in den Fundamenten des Turms arbeiteten, sandten einen grollenden Pulsschlag durch die Wände. Ein tiefes Pochen, ein ruhiger Marsch, wie für eine langsame Promenade vor einem Tanz gemacht. Die Bedeutung dieser Gedanken ließ sie schaudern, doch ihre Schritte, die schon jetzt im Takt mit den Maschinen fielen, wurden schneller.



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