Taqwacore by Michael Muhammad Knight

Taqwacore by Michael Muhammad Knight

Autor:Michael Muhammad Knight
Die sprache: deu
Format: mobi, epub
veröffentlicht: 2012-02-29T23:00:00+00:00


KAPITEL VI

Ende August begann das neue Semester. Jehangir nahm Fasiq Abasa, Rude Dawud und mich mit auf eine Mission, die uns zum Campus des Buffalo State College bringen sollte.

»Wir müssen die Neuen auschecken«, sagte er und war schon betrunken, bevor wir überhaupt dort waren. Wir erreichten Porter Hall, wo sich Gruppen von eifrigen Erstsemestern versammelt hatten. Jehangir versteckte seinen Iro unter einer schwarzen Skimütze und sah damit eher aus wie jemand, der im Straßenbau oder auf den Docks arbeitete, als wie ein Punk. Fasiq hatte seinen aufgestellt und trug seinen Operation-Ivy-Kapuzenpulli. Rude Dawud trug seinen üblichen Pork-Pie-Hut. Meine Klamotten waren irgendwie allgemein. Ich wüsste nicht, wie ich sie beschreiben sollte; es waren einfach Klamotten. Ich hatte sie im Einkaufszentrum gekauft. Sie sagten eigentlich nichts über mich aus, dachte ich.

Als wir vor der Porter Hall standen, weitete ich meine Pupillen, so wie man es bei den 3D-Bildern macht, auf denen man irgendetwas Verstecktes erkennen soll, und ließ meinen Blick über die 32 fluoreszierenden Scheiben der Aufenthaltsräume schweifen, die auf acht Stockwerke verteilt waren; zugleich stellte ich meine Ohren auf Durchzug, um die Gespräche rundherum auszublenden, sodass ich nur noch ein schwaches Gemurmel hörte, ohne die Worte zu verstehen. Das Collegeleben – frische Gesichter rollen wie auf einem Fließband herein und verschwinden wieder, wenn sie matt und müde geworden sind. Der Campus selbst verlor nie seine Vitalität und Jugend, aber diese Tatsache war fast genauso deprimierend. Um uns herum waren lauter Kids, die eben erst mit der Highschool fertig waren. Ich fand es traurig, dass sie mir wie Kids vorkamen.

Jemand ging hinein und Jehangir rief ihm zu, er solle die Tür offenhalten. Jehangir befand sich erst in jenem Stadium von Trunkenheit, das ihn nur noch charmanter machte. Im Nu waren wir drin und rannten die Treppen zum ersten Stock hoch. All die Songs, mit denen die Musikindustrie die Kids gerade bombardierte, plärrten aus offenen Türen, die mit bescheuertem Collegekram dekoriert waren: kitschige Namensschilder, die die Tutoren gemacht hatten, aus Zeitungen ausgeschnittene Schlagzeilen und scharfe Fotos aus Magazinen. Am Ende der Eingangshalle befand sich eine weitere Treppe und wir gingen hinauf in den zweiten Stock. Dasselbe.

Im dritten Stock fläzten wir uns im Aufenthaltsraum auf die versifften Möbel. Ein weißer Typ mit einer dicken, schwarz gerahmten Brille und einem Less-Than-Jake-T-Shirt kam herüber und tippte mir auf die Schulter.

»Es ist 4:20 Uhr«, sagte er.

»Was?« Ich hatte keine Ahnung, was er meinte.

»Es ist 4:20 Uhr, hast du eine Minute?«

»Was willst du denn?« Fasiq hatte es bemerkt und rief den Typ zu sich. Er sagte, er hätte was zu rauchen. Fasiq und Rude Dawud standen auf und folgten ihm in sein Zimmer, nur Jehangir und ich blieben im Aufenthaltsraum im dritten Stock zurück.

»Die erste Woche im College ist einfach super«, sagte Jehangir, er hatte seine Arme auf dem feuerfesten Sofa ausgestreckt. »So was passiert nur in der ersten Woche.«

»Wie meinst du das?«

»All die neuen Kids wollen unbedingt cool sein, aber sie kennen niemanden. Deshalb sind alle Türen offen und jeder fängt an, mit völlig Fremden zu reden. Es gibt noch keine Cliquen.



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