Schneewittchenfalle by Krystyna Kuhn

Schneewittchenfalle by Krystyna Kuhn

Autor:Krystyna Kuhn [Kuhn, Krystyna]
Die sprache: deu
Format: epub
ISBN: 9783401800677
Herausgeber: Arena
veröffentlicht: 2010-11-11T23:00:00+00:00


DREIZEHN

Als Stella am nächsten Morgen erwachte, hingen nur Kondensstreifen am Himmel, nicht mehr als Staubflusen auf dem sauberen Blau. Helles Licht drang durch das Bullauge. Kein Wind bewegte die Äste des Nussbaums. Kein Blatt regte sich. Sie fühlte sich plötzlich erleichtert, als würde sie direkt über diesen blauen Himmel segeln. Als sie aus dem Bett sprang, griff sie daher als Erstes nach ihrer Kapitänsmütze, die auf dem Stuhl lag, und stülpte sie über den noch schlafenden Freitag. Stella sah zu, wie die Mütze sich bewegte und der völlig darunter verschwundene Freitag versuchte, sich zu befreien. »Aufstehen!«, rief sie. »Die Sonne scheint! Dass Väter immer recht haben müssen. Die Welt sieht heute morgen tatsächlich anders aus!« Fast schien es, als zuckte Freitag mit den Schultern. Zumindest sein Schwanz zitterte leicht vor Gleichgültigkeit, als wolle er sagen: »Reg dich ab. Die Sonne, na und?« »Dir kann das egal sein. Du darfst ja den ganzen Tag zu Hause spielen.« Ihre Füße fuhren in die Hausschuhe. Müde tappte sie zum Bullauge und schaute hinaus. Leichter Tau lag wie eine Schutzfolie über dem Rasen unter dem Fenster. Das war alles, was vom Regen in der letzten Nacht übrig geblieben war. Am Himmel aber stand eine große Sonne, die die Landschaft in ein helles Licht tauchte. Unten hörte sie das Telefon klingeln. Sie lauschte. Die schweren Schritte ihres Vaters bewegten sich langsam Richtung Flur. Sie öffnete die Tür, um nach unten zu gehen. Es wurde Zeit.

Schließlich war sie heute mit ihrem Referat an der Reihe. Sie hörte ihren Vater sprechen. Immer wenn er etwas sagte, klang es wie das Knurren ihres Magens. Mein Gott, seit gestern Mittag hatte sie nichts mehr gegessen. Sie war bereits drei Stufen nach unten gegangen, als sie hörte: »Wir hätten nicht hierherziehen sollen. Vielleicht wäre die gewohnte Umgebung doch besser gewesen. Sie ist so nervös...« Sein Gesprächspartner unterbrach ihn. Er hörte eine Weile zu und erklärte dann: »Sie hat Angst, alleine im Haus zu sein. Sie zieht sich zurück.« Wieder wartete er die Antwort ab. »Nur dieses seltsame Mädchen... aber ich vertraue ihr. Sie hat eine gute Menschenkenntnis. Darauf war Kerstin immer stolz.« … »Wenn du meinst.« … »Das wäre natürlich toll . . .« … »Glaubst du nicht, dass eine Therapie ihr Gedächtnis . . .« Wieder wurde er unterbrochen. … »Nein«, sagte er »ich glaube nicht, dass sie sich an etwas erinnert.« … »Ihr Tagebuch?« … »Nein, das würde ich nie . . .« …. »Du meinst, sie bildet sich die Telefonanrufe ein?« … »Ich weiß nicht.« Stella hatte es satt, dass über sie gesprochen wurde. Ganz abgesehen davon, dass sie wütend war. Aber so etwas von wütend. Das also war ihr Vater. Er verbündete sich gegen sie. Vermutlich war das Pat am Telefon. Ist das die Freundin deines Vaters?, hörte sie Mary wieder sagen. Ihr Fuß stampfte auf der nächsten Stufe auf. Stella konnte zwar nicht ändern, was die Erwachsenen über sie dachten, doch ihr Gespräch unterbrechen konnte sie. Sie rannte die Treppe hinunter. Als ob sie so super gelaunt sei, wie ihr Vater es ihr vorhergesagt hatte.



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