[Sarah Pauli 08] • Tod in der Kaisergruft by Maxian Beate

[Sarah Pauli 08] • Tod in der Kaisergruft by Maxian Beate

Autor:Maxian, Beate [Maxian, Beate]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Roman-Krimi
ISBN: 3442484723
Herausgeber: Goldmann Verlag
veröffentlicht: 2018-03-19T00:00:00+00:00


18

Isabella Schönegg-Bach warf einen Blick auf die Küchenuhr. Die Flugzeuge aus Mailand und London waren vor einer Stunde gelandet. Bernhard hatte angeboten, die Kinder vom Flughafen abzuholen, derweil bereitete sie ein spätes Mittagessen zu. Sie hatte das vorgeschlagen, um so schnell wie möglich alle um den Tisch zu versammeln. Es gab so vieles zu besprechen, warum also nicht gleich. Worauf sollten sie warten? Bis nach dem Begräbnis? Das machte die Sache nicht besser.

Isabella formte aus der Grießmasse Nockerl. Melanie hatte mit ihr telefoniert und sich eine Grießnockerlsuppe gewünscht.

»Eine Suppe, trotz der Hitze?«, hatte sie ihre Tochter gefragt.

»Und als Hauptspeise Schinkenfleckerl«, war Melanies Antwort gewesen. »Das schmeckt Robert sicher auch.«

Österreichische Hausmannskost gab es weder in Mailand noch in London, das machte sie plötzlich zu etwas Besonderem. Isabella hatte der Haushälterin das gesamte Wochenende über freigegeben. Was sie zu besprechen hatten, war eine reine Familienangelegenheit. Da wünschte sie keine fremden Ohren im Haus.

Nachdenklich legte sie ihre Stirn in Falten. Seit Tagen schon durchforstete sie ihr Gehirn nach einer Definition ihrer Gefühlswelt. Sie war traurig, zweifellos. Aber sollte sie nicht vielmehr bestürzt, unglücklich und verzweifelt sein? Oder sich zumindest sterbenselend fühlen, weil ihre Schwester tot war? Natürlich hatte sie ein paar Tränen vergossen, im Büro, als sie allein war. Jedoch nicht in der Menge, die man sich von einem engen Familienmitglied erwartete. Stattdessen dachte sie rational und überlegte, wie es ab sofort weiterging. Was war nur los mit ihr? War ihre Beziehung zu Christa wirklich so abgestumpft, dass sie jetzt nur eine Art Betäubung empfand? Zu ihrer Verteidigung erinnerte sie sich daran, noch nie ein gefühlsbetonter Mensch gewesen zu sein. Nach dem Tod ihres Vaters hatte ihr Christa sogar Gefühlskälte vorgeworfen, weil sie nicht verzagte, sondern direkt nach der Beerdigung ins Geschäft gefahren war. Trauer machte sie mit sich selbst aus, sie brauchte kein Publikum dafür. Und Selbstmitleid ertrug sie generell nicht.

»Du bist deinem Vater sehr ähnlich«, hatte ihre Mutter gesagt. Damit war das Thema erledigt.

Ein Auto nahte. Konnte es sein, dass sie schon da waren? Sie warf einen Blick durchs Küchenfenster. Von dort aus konnte man gut auf die Straße sehen. Das Auto fuhr vorbei. Als sie das letzte Nockerl in die Suppe gleiten ließ, führten sie ihre Gedanken zurück ins Büro ihrer Schwester. Sie hatte es persönlich durchsucht, hatte naturgemäß in zig Unterlagen gewühlt. Doch wer sich hinter dem Namen »Rome« verbarg, wusste sie noch immer nicht. Nicht einmal in der Dachgeschosswohnung konnte sie den winzigsten Anhaltspunkt dafür finden. Warum hatte Christa die Sache nur so geheim gehalten? Sie wollte sie mit der Modelinie im Katalog vor vollendete Tatsachen stellen, so viel war klar. Nur weshalb war sie diesen Weg gegangen? Wer hatte die Aufnahmen gemacht? Den Fotografen, der normalerweise für die Modewelt Schönegg fotografierte, hatte ihre Schwester nicht beauftragt. Mit ihm hatte Isabella telefoniert. Sie hoffte, dass sich auf Christas Computer etwas finden ließ. Doch der musste erst von einem Spezialisten geknackt werden. Ihre Schwester hatte ihn gesichert wie Fort Knox.

Die Küchentür schwang auf, ihre Mutter erschien. Sie trug ein beigefarbenes Sommerkleid, das knapp über die Knie ging.



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