Quitt by Theodor Fontane

Quitt by Theodor Fontane

Autor:Theodor Fontane [Fontane, Theodor]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Classics Fiction
veröffentlicht: 2017-03-15T00:00:00+00:00


Neunzehntes Kapitel

Als Ruth noch sprach, passierte man einen Brückenbogen und bog jenseits desselben in einen breiten, mit jungen Akazien besetzten Weg ein, zu dessen einer Seite ein von den Bergen kommender Bach schäumte, während sich an der anderen Seite die Gehöfte der Mennonitenkolonie hinzogen. Man war in Nogat-Ehre. Soviel Lehnert im Passieren der langen Dorfstraße wahrnehmen konnte, schienen die Gehöfte von ziemlich gleichem Aussehen und bestanden aus einem einstöckigen Fachwerkwohnhaus, das mit breiter Front auf die Straße blickte, während die großen Stallgebäude quer standen und mit ihren Giebeln (statt mit der Front) auf die Straße sahen. Einige hatten vor ihrer Tür eine mit Geißblatt und Pfeifenkraut umsponnene Gitterlaube, von der aus vier oder fünf Steinstufen zunächst auf den Akazienweg und dann bis zum Bach hinabführten, allen Häusern gemeinsam aber war ein von einem Staketenzaun eingefaßter Vorgarten, in dem, zwischen Taxus- und Buchsbaumrabatten, einige wenige Georginen, meist aber Malven und Sonnenblumen standen, ganz als ob es Gärten aus der Nogat- und Weichselniederung waren.

Lehnert ging das Herz auf beim Anblick dieser einfachen Anlagen, die den aus Deutschland mitgebrachten Gartentypus mit soviel Vorliebe weiterpflegten, und wandte sich eben, um eine große Glaskugel und ein bemaltes Bienenhaus noch einmal flüchtig zu mustern, als er, als letztes in der Reihe, eines größeren Gehöftes ansichtig wurde. Täuschte nicht alles, so war dies das Gehöft, auf das Ruth, als sie noch durch die Felder fuhren, hingewiesen hatte. Ja, das mußt es sein; da waren ja auch die hohen Pappeln, und wirklich, einen Augenblick später lenkte das Ponygefährt auf den etwas ansteigenden und fast eine Rampe bildenden Kiesweg hinauf und hielt nun vor dem Schwellstein eines ziemlich nüchtern wirkenden, weitschichtigen Hauses, das, zum Unterschiede von den anderen bis dahin passierten, ohne Staketenzaun und ohne Vorgarten war und durch seine Stille, seine hohen Fenster und nicht zum wenigsten durch ein paar gotische Holzverzierungen an ein halb kirchliches Gebäude gemahnte.

»Hier sind wir«, sagte Toby, nahm seiner Schwester die Zügel aus der Hand und wartete, bis ein Knecht (auch hier ein junger Cherokee) vom Hof her erschien, dem er das Gespann übergeben konnte. Dann traten alle drei, von der Rampe her, in ein bis hoch hinauf mit Holz bekleidetes Treppenhaus, das durch die ganze Tiefe des Hauses lief. Ruth, als man bis an die gradlinig aufsteigende Treppe gekommen war, gab Lehnert zum Abschiede die Hand, wandte sich aber auf der dritten Stufe noch einmal und sagte: »Die Hauptsache nicht zu vergessen, Gott segne deinen Aus- und Eingang.« Und nun erst eilte sie rasch ihrer im Oberstock gelegenen Wohnung zu. Toby mußte lächeln, als er sah, wie Lehnert der Erscheinung nachblickte. Dann nahm er seinerseits Lehnerts Arm und sagte: »Nun komm, daß ich dich zu dem Vater führe!«

Das einen großen Flur bildende Treppenhaus hatte zu beiden Seiten Bänke, sonst war es ein leerer Raum, der, mit Ausnahme des Frontportals, nichts als drei Türen zeigte, von denen eine kleinere nach dem Hof hinausging, während zwei hohe Doppeltüren in die neben dem Treppenhause gelegenen Haupträumlichkeiten führten. Beide Doppeltüren standen in diesem Augenblick auf und



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