Grayson Manor by Cheryl Bradshaw

Grayson Manor by Cheryl Bradshaw

Autor:Cheryl Bradshaw
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Mantikore Verlag
veröffentlicht: 2017-09-15T00:00:00+00:00


KAPITEL 24

Es konnte nicht wahr sein. Addison hatte Roxanne gesehen. Sie hatte das Zimmer gesehen, hatte das befleckte Kleid in ihrer Hand gehalten. Helens Geständnis wurde gesprochen, als stünde sie unter Eid und mache mit einer Hand fest auf der Bibel ihre Zeugenaussage. Sie glaubte, dass Norman und Roxanne miteinander durchgebrannt waren, und hatte diese Theorie höchstwahrscheinlich den Kommissaren Dobbs und Houston weitererzählt.

Ein Anruf bei der örtlichen Polizeidienststelle brachte gar nichts. Die lebhafte junge Sekretären, die antwortete, erklärte, dass sie »gerade jetzt« keine Zeit hätte, irgendetwas über den Fall nachzusehen. Sie notierte Addisons Namen und Nummer und sagte, dass jemand sie »umgehend« zurückrufen würde.

Addison brauchte eine Ablenkung, während die Zeit verstrich, und sie fand sie in Hugh Brandon, einem von Roxannes angeblichen Liebhabern. Im Telefonbuch waren drei Hugh Brandons aufgelistet. Addison überlegte sich erst, dort anzurufen, dann beschloss sie, dass es am besten war, persönlich aufzutauchen. Auf diese Weise konnte niemand einfach auflegen, und wenn ihr eine Tür vor der Nase zugeschlagen wurde, konnte sie einfach davor warten, bis sie wieder aufging.

Der erste Hugh Brandon stellte sich als Investmentbanker in seinen Dreißigern heraus, der nicht viel Zeit zuhause verbrachte, ein Hinweis, den sein Nachbar allzu freudig gab.

Noch zwei weitere.

Direkt am Central Park lag eines der architektonisch erhabensten Apartmenthäuser, das Addison je gesehen hatte. Die Palisaden waren eine höchst beliebte Residenz von vor 1900, die sich die meisten Leute nicht einmal leisten konnten, wenn sie ein Dutzend Leben lang sparten. Sie hatten einen handschuhtragenden Portier an der Tür und einen verspiegelten Aufzug, der wirkte, als wäre er in Gold getaucht. Addison trat hinein und drückte den Knopf für den dritten Stock. Sie fand die richtige Apartmentnummer und klopfte. Niemand kam. Sie klopfte erneut, diesmal hörte sie ein leises »Moment« durch einen winzigen Spalt schallen.

Ein hübsches, langbeiniges, blondes Mädchen öffnete die Tür. Sie hatte lange, blonde Haarverlängerungen, wie Addison annahm, die halb ihren Rücken hinunterfielen, und die schlanke Figur einer Person, die jeden Tag nicht mehr als ein paar Bissen Kaninchenfutter knabberte.

»Ich muss die falsche Adresse haben. Entschuldigen Sie die Störung.« Addison schüttelte enttäuscht den Kopf. Sie hatte danebengelegen – wieder. Oder?

Das Mädchen blickte über Addisons wenig Model-würdigen Körper und schlug wiederholt mit ihrem Fingernagel gegen den Reißverschluss ihrer Fellweste. Die kurze Weste gab ihren gepiercten Nabel frei und sie schien nichts darunter zu tragen. »Suchen Sie nach jemandem?«

»Hugh Brandon. Er war ein …«

»Schauspieler.«

Addison legte eine Hand an ihre Hüfte. »Sie wissen, wer er ist?«

»Er ist mein Dad, also weiß ich es wohl besser.«

Unmöglich.

»Sie sehen etwas jung aus, um seine Tochter zu sein.«

Sie rollte mit den Augen, was nahelegte, dass sie diesen speziellen Satz schon oft zuvor gehört hatte. »Ich wurde adoptiert. Lange Geschichte.« Sie warf einen Blick auf das Display ihres pink verzierten Smartphones. »Jedenfalls ist mein Dad gerade nicht hier, also …«

»Gibt es einen Ort, wo ich warten kann?«

Eine Frau erschien hinter dem Mädchen. Sie sah alt genug aus, um Hugh Brandons Frau zu sein. Sie hatte blasse, blaugraue Augen und trug eine hoch geknöpfte Viskosebluse und schwarze Hose. Nie zuvor hatte Addison eine Frau gesehen, die für ihr Alter so fit war.



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