Fremden Kind by A Hollinghurst

Fremden Kind by A Hollinghurst

Autor:A Hollinghurst [Hollinghurst, A]
Die sprache: deu
Format: mobi
veröffentlicht: 2012-08-02T22:00:00+00:00


4

Peter saß im Museum und beschriftete Schilder mit seinem Vierfarbenstift. »Wem gehört noch mal der Degen?«

»Der Degen, Sir? Der gehört Brookson, Sir.« Milsom 1 kam herüber und sah ihn sich an.

»Er behauptet, er sei von seinem Großvater, Sir«, sagte Dupont.

»Galadegen eines Admirals«, schrieb Peter in Schwarz und wechselte dann zu Rot: »Leihgabe von Giles Brookson, 4. Klasse.« Eigentlich hätten die Jungen die Schilder selbst beschriften müssen, aber sie waren ganz vernarrt in seine Handschrift. Er hatte bereits bemerkt, wie sein spiraliges e, sein schleifenförmiges d und sein schnörkeliges großes B die Schule eroberten und die druckbuchstabenartige Handschrift der Schüler, die sich bislang auf die des Direktors bezogen hatte, infizierten. Seltsam, schmeichelhaft und fast schon eine Tradition – zehn Jahre zuvor hatte er dieses B einem Lieblingslehrer abgeschaut. »Voilà!«

»Merci, monsieur!«, sagte Milsom und legte das Kärtchen in die Vitrine, wo die kostbareren und gefährlicheren Ausstellungsstücke präsentiert werden sollten, unter anderem eine Gruppe hübscher indischer Tonfiguren in unterschiedlichen Trachten und Uniformen – Wasserverkäufer, Torwächter, Militärflötenspieler –, die Newmans Tante ihnen vertrauensvoll überlassen hatte. In dem Fach darüber hatte eine Handgranate Platz gefunden, angeblich entschärft, eine Steinschlosspistole, der Degen von Brooksons Großvater und ein Kukri-Messer der Gurkhas, das Dupont jetzt herausgenommen hatte und mit einem duraglitgetränkten Wattebausch behandelte. Er und Milsom unterhielten sich über Lieblingswörter.

»Ich glaube«, sagte Milsom, »mein Lieblingswort ist glorios.«

»Nicht großartig?«, sagte Dupont.

»Nein, nein. Ich benutze viel lieber glorios.«

»Na gut«, sagte Dupont.

»Und deins? Aber jetzt sag bloß nicht und, oder Schwein, oder so, du weißt schon.«

Dupont lüpfte eine Augenbraue. »Im Moment«, sagte er, »dürfte mein Lieblingswort wohl churrigueresk sein.« Milsom staunte mit offenem Mund und schüttelte den Kopf, während Dupont kurz zu Peter schielte, um die Wirkung seiner Äußerung zu beobachten. »Auf der anderen Seite«, fuhr er lässig fort, »mag ich aber auch einfachere Wörter, zum Beispiel geschmeidig.«

»Geschmeidig?«

»Ja, geschmeidig«, sagte Dupont und fuhr elegant mit dem Messer durch die Luft. »Es hat drei Silben wie dein glorios, ist aber viel musikalischer. Geschmeidig … geschmeidig …«

»Um Gottes willen, pass auf mit der Waffe. Damit macht man seine Feinde einen Kopf kürzer.«

»Ich passe schon auf, Sir«, sagte Dupont gekränkt und wurde rot. Seit seiner Vertreibung aus dem Musikzimmer nahm er sich vor Peter in Acht und schien der eigenen Stimme mit ihren sonderbaren Oktavsprüngen mitten im Wort nicht mehr zu trauen. Peter trat näher und schaute über seine Schulter auf die breite Messerklinge; der Knick in der Mitte jagte ihm ein Kribbeln über die Rückseite seiner Oberschenkel.

»Das sieht ganz schön fies aus, Nigel …«

»Ist es auch, Sir!«, sagte Dupont mit einem dankerfüllten Blick. Streng genommen durften nur die Aufseher mit Vornamen angeredet werden. Er drehte das Messer um, die eine Seite blanker Stahl, die andere noch matt, blauschwarz schimmernd. Seine Finger waren schwarz von dem Duraglit-Wattebausch. »Schauen Sie mal, Sir, es ist perfekt ausbalanciert.« Eine schmutzige Fingerspitze in der Kerbe, wo die Klinge ansetzte, hielt er das Messer zitternd in aufrechter Stellung, sodass es wie ein Papagei auf einer Stange vor- und zurückpendelte.

Zahlreiche Bilder standen noch herum, und Peter fragte die Jungen, wo sie aufgehängt werden sollten.



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