Delphinensommer by Allfrey Katherine

Delphinensommer by Allfrey Katherine

Autor:Allfrey, Katherine [Allfrey, Katherine]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 0101-01-01T00:00:00+00:00


Ja, nun sah Melas, was sie meinte, und auch die anderen nickten.

„Also“, rief Andrula, „fangen wir an! Mit einem Syrtos, der ist am leichtesten.“ Sie stimmte ihre Lieblingsweise an, das Lied von dem Schiff aus Chios, das nach Samos fuhr, seine zwei Boote hinter sich... „So, jetzt los: eins — zwei — drei —“

Da tanzten sie hin, im Halbkreis über die grüne Fläche.

Bei der zweiten Strophe summten sie schon mit, bei der dritten konnten sie die Melodie und sangen kräftig, wenn auch nur tra-la-la, tra-la-la, und nach der vierten sagten alle: „Noch einmal!“ Sogar Battos — nur sagte er es nicht, sondern sang es einfach, und damit war er gerade so schnell fertig wie seine Brüder.

Aber Andrula brachte ihnen erst die Worte des Liedes bei, und danach ging es noch einmal so gut. „Wirklich, das war viel besser“, lobte sie, und ihre Schüler strahlten. „Aber, Battos“, fuhr sie fort, „du als der letzte solltest deine freie Hand hübsch auf den Rücken legen, wenn du nicht gerade mit den Fingern klick, klick machst.“

Battos legte brav seine kleine braune Tatze auf den Rücken und schaute sie erwartungsvoll an. Aber er mußte die Hand sofort wieder wegnehmen und Andrula reichen, die sich auf den letzten Platz stellte, denn nun war die Reihe an Melas, Vortänzer zu sein.

Gelanor drängte sich vor: „Nein, ich, Melas, ich!“ Sein Bruder war es zufrieden und überließ ihm den Platz und den Tuchzipfel. Sie stimmten das Lied von neuem an, und Gelanor sprang los wie ein kleiner Bock, der er ja auch zur Hälfte war.

„E — e — e!“ riefen bald vier unwillige Stimmen. „Was machst du denn, Gelanor?“

Er achtete nicht darauf, er wirbelte herum, er versuchte, beide Füße zu gleicher Zeit nach vorn zu werfen, — und schon lag er längelang im Gras. Melas wurde mitgerissen, und auch Balios und Battos hielten sich nur mit Mühe aufrecht. Andrula verschränkte die Arme über der Brust und schüttelte vorwurfsvoll den Kopf.

„Da siehst du es: unsere Hufe“, sagte Gelanor und sprang auf.

„Ich sehe einen, der laufen will, ehe er das Gehen gelernt hat“, bemerkte Andrula streng.

„Nein, nein“, versicherte Gelanor, „das machen die Hufe! Du weißt nicht, wie schwer das Tanzen ist, wenn man nur zwei Beine hat.“

„Ich habe auch nur zwei Beine, ich weiß genau, wie es ist!“ widersprach Andrula.

„Ja, aber bei dir sind unten richtige Füße mit Zehen daran“, rief Balios. „Du hast gut reden!“ Und Battos nickte und strahlte, denn er hatte es zuerst gesagt.

„Du mußt uns glauben“, beteuerte Melas in seiner ruhigen Art, „es ist gar nicht so einfach, zweierlei zu sein...“

„Ja, man landet meist auf dem Erdboden dabei, mit einem gehörigen Bums!“ rief Balios lachend dazwischen.

„...unten Böckchen, die müssen springen, und oben Jungen, die wollen tanzen und singen“, fuhr Melas fort. „Man kommt manchmal durcheinander und weiß nicht, was man gerade ist.“

Andrula sah es ein. „Na, jetzt bin ich ja da und kann’s euch sagen“, meinte sie. „Wir versuchen es noch einmal. Melas, du führst.“

Melas nahm das Tuch. Diesmal konnte Battos seine freie Hand gehorsam auf den Rücken legen, denn Andrula tanzte nicht mit.



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