Das Zettelkasten-Prinzip. Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen by Sönke Ahrens

Das Zettelkasten-Prinzip. Erfolgreich wissenschaftlich Schreiben und Studieren mit effektiven Notizen by Sönke Ahrens

Autor:Sönke Ahrens [Ahrens, Sönke]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 2017-02-21T23:00:00+00:00


11.1. „Small things done consistently have a great impact“

Wer das erste Mal darüber nachdenkt eine Master- oder Doktorarbeit zu schreiben, dürfte bei der Vorstellung, nun rund 100 bzw. 300 Seiten mit ebenso durchdachten wie quellengestützten Argumenten zu füllen, Respekt verspüren. Andererseits scheint es den meisten durchaus machbar, jeden Tag bis auf sonntags eine Seite zu füllen – womit die Dissertation in rund einem Jahr fertig würde, was aber kaum jemandem gelingt. Die Technik jeden Tag eine bestimmte Menge zu schreiben, hat Anthony Trollope, ein populärer und ausgesprochen produktiver Romanautor im Großbritannien des 19. Jahrhunderts, bis zur Perfektion gebracht: Jeden Morgen um halb sechs ließ er sich eine Tasse Kaffee bringen und sah dann mit Blick auf seinen Wecker zu, dass er jede Viertelstunde 250 Wörter aufs Papier brachte. Das, so schreibt er in seiner Autobiographie „allowed me to produce over ten pages of an ordinary novel volume a day, and if kept up through ten months, would have given as its results three novels of three volumes each in the year” (Trollope, 2008, S. 272) – und das alles noch vor dem Frühstück.

Akademische Arbeiten werden selten in so kurzer Zeit verfasst. Die Tatsache, dass Einschätzungen über die Dauer solcher Projekte, selbst unter Berücksichtigung des Worst-Case-Szenario, geradezu grotesk unrealistisch sind (Kahneman, 2013, S. 245ff) und rund die Hälfte aller angefangenen Doktorarbeiten nie zu Ende gebracht werden (Lonka, 2003, S. 113) zeigt bereits, dass man die Aufgabe nicht so einfach in überschaubare Etappenziele wie „eine Seite pro Tag“ herunterbrechen kann. Den Trick, sich statt auf das große Ziel auf die kleinen Schritte zu konzentrieren, kann man aber dennoch anwenden. Man muss nur andere, realistischere Einheiten wählen.

Die Methode Trollopes lässt sich schon deshalb nur begrenzt auf das wissenschaftliche Schreiben übertragen, weil sie nur einen Aspekt der Arbeit betrifft, neben dem man auch noch Lesen, Forschen und Denken muss. Wie hat es dann aber Luhmann geschafft, ähnlich viele Bücher wie Trollope zu schreiben, der es auf 47 Romane und 16 andere Bücher gebracht hat – und zusätzlich noch Hunderte von Aufsätzen zu veröffentlichen? Zugegeben, er hat auch nach dem Frühstück noch gearbeitet. Aber der entscheidende Faktor ist natürlich die Arbeit mit dem Zettelkasten, die auch als elaborierte Variante des Trollopschen Vorgehens verstanden werden kann. Trollope ist wie ein fleißiger Sparer: Jeden Tag eine überschaubare Menge zurückzulegen, fügt sich in einem Jahr zu etwas Großem. Jeden Tag den Gegenwert eines Latte Macciatos zurückzulegen, also ungefähr 3,-Euro, summiert sich im Jahr mit über 1000,- bereits auf den Wert eines Urlaubs und im Laufe eines Arbeitslebens auf die Anzahlung für eine Ferienwohnung.[43] Die Arbeit mit dem Zettelkasten gleicht hingegen eher der eines Investors, der sein Geld nicht nur zurück-, sondern auch anlegt, so dass das zurückgelegte Geld selbst zu seiner Vermehrung beitragen kann (womit dieser, um im Beispiel zu bleiben, am Ende seines Arbeitslebens die Ferienwohnung gleich abbezahlen kann).[44]

Ebenso ist der Wert des Zettelkastens weit größer als die Summe seiner Einträge, da man dank der durch Querverweise generierten Ideen mehr herausziehen kann als man hineingesteckt hat. Mehr Einträge bedeuten mehr mögliche Verknüpfungen, mehr Ideen und damit eine erhöhte Produktivität.



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