Das Buch von der Riviera by Erika Mann & Klaus Mann

Das Buch von der Riviera by Erika Mann & Klaus Mann

Autor:Erika Mann & Klaus Mann [Mann, Erika & Mann, Klaus]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Reiseführer
ISBN: 9783644300453
Herausgeber: Rowohlt
veröffentlicht: 2018-12-31T23:00:00+00:00


Nice, Baden im Meer, ca. 1930

In tausendundein Lokalen können Sie auch Tee trinken, wir raten Ihnen aber The Scotch Tea Room an der Avenue de Verdun, die am Palmengarten Albert I. entlang führt. Hier ist großes angelsächsisches Damentreffen, was für die Qualität des Tees spricht, und auch sonst für die Distinguiertheit des Milieus. – Der Tee in den Kasinos, sogar während der Saison, ist recht düster und spießig; ich glaube, die beiden Kasinos von Nice sind die unelegantesten und langweiligsten der Riviera.

Ihre große Konkurrenz ist das Palais de la Mediterranée, an dem wir nun schon oft vorbeigekommen sind. Treten wir auch einmal ein, es ist furchtbar viel drinnen los: eine Oper, ein Monstrecafé, wo sich nachmittags mit Vorliebe Modenschau abspielt, ein Boulesaal und ein sehr exklusiver Bakkaratklub. Hier war es, wo sich unlängst zwei durchtriebene deutsche Zeitungsmänner eingeschlichen hatten, um Photos zu machen, obwohl es doch so gründlich verboten ist. – Nachher hatten sie Krach mit dem Direktor, Märtyrer ihres schweren Berufes –; die Zerberusse, die auch hier vorm Heiligtum sitzen, sollen besondere Physiognomienkenner sein und von jedem, der eintritt, eine Karikatur machen, was eigentlich kein angenehmes Gefühl für die Eintretenden ist, wenn sie’s erst wissen (wir wußten es lange nicht). – Das Treppenhaus des Palais ist eine große und breite Pracht in Marmor, vor allem für Karnevalstrubel sehr geeignet. – Unten, im selben Gebäude, liegt das große Büro von Cook und die Bar de la Fregatte, die zur Zeit eigentlich die amüsanteste Bar von Nizza ist.

Da wir, die Frage «wo kauf ich meine Kragen?» zunächst keck überspringend, schon bei der Frage «wo trinke ich meinen Coctail?» angelangt sind, bleiben wir zunächst bei diesem so wichtigen Punkt und führen Sie zur «Perroquet-Bar», gleich, wenn Sie vom neuen Kasino zur Place Masséna gehen; sie ist neu hergerichtet, aber als sie noch schäbiger war, fand ich sie flotter. Sie teilt sich in eine Bar und in ein richtiges Tanzlokal, wo man Ihnen, außer dem Sekt, Attraktionen vorsetzt. In der Bar trifft sich oft ganz lustiges junges Volk. Um die Ecke, Maxime, ähnlicher Stil, nicht ganz so besucht. – Zu späten Nacht- und frühen Morgenstunden werden Sie in der Chat Noir noch einiges finden, was Ihr Herz begehrt. – Da wir Ihnen in Cannes die Sanzi-Bar verraten haben, verraten wir Ihnen hier La Perle, hinterm Bahnhof, in der Rue d’Angleterre. Die Perle ist großstädtischer als die Schwesterkneipe in Cannes; beinahe schon Berlin N.

Vom Thema «Bar» finden wir leicht zum Thema «Wo langweile ich mich?». Das können Sie gar nicht in Nice, es sei denn, Sie gingen in eines der großen Kinos (zum Beispiel in das «Casino de Paris» an der Promenade des Anglais, oder in das Rialto, gleich hinterm Negresco), wenn gerade ein amerikanischer Tonfilm stumm, mit französischen Texten läuft. Dann müssen Sie Szenen zuschauen, die unter der Voraussetzung gedreht wurden, daß man dumme Worte dazu hört: stumm, mit den aufgerissenen Mündern, sind sie wirklich trostlos. Als wir das letztemal im «Rialto» waren, spielte man eine Posse mit dem pikanten Titel «Connaissez-vous Popo?».



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