Armageddon by Wolfgang Hohlbein

Armageddon by Wolfgang Hohlbein

Autor:Wolfgang Hohlbein
Die sprache: deu
Format: epub
ISBN: 9783492978408
Herausgeber: Piper ebooks
veröffentlicht: 2017-08-30T14:21:34+00:00


18

Der Gang war so schmal, dass sie kaum auszuatmen wagte, aus Angst, er könnte sich wie eine Würgeschlange jedes Mal ein bisschen enger um sie zusammenziehen, wenn sie es tat. Das wenige Licht, das irgendwo in einem oder zwei Parsec Entfernung vor ihnen glomm – oder doch wenigstens ein paar Lichtjahren –, war schmutzig rot und ohne den mindesten Glanz, als käme es direkt aus der Hölle. Die Luft roch nach heißem Metall und verbrannter Erde, und in ihren Ohren war ein ständiges, an- und abschwellendes Rauschen. Vielleicht war es das Geräusch ihres eigenen Blutes. Vielleicht aber auch das der Menschenmenge über ihren Köpfen, unter deren Gewicht dieser fürchterliche Stollen im nächsten Moment zusammenbrechen und sie unter Tonnen von Schutt begraben würde, um sie qualvoll ersticken zu lassen.

Nein. Sie verbesserte sich in Gedanken: nicht ersticken. Sie würde verschüttet werden und nicht mehr der Lage sein, auch nur einen Finger zu rühren, und hier unten in vollkommener Dunkelheit gefangen liegen, bis sie qualvoll verdurstete. Vielleicht tropfte ja auch gerade genug Wasser von der Decke, um sie lange genug am Leben zu erhalten, bis sie verhungerte; was durchaus Tage dauern konnte oder auch Wochen. Beka fragte sich, ob sie die ganze Zeit bewusst erleben oder vorher den Verstand verlieren würde. Falls das nicht sowieso schon passiert war.

Zumindest was die ewige Dunkelheit anging, musste sie sich wohl keine allzu großen Sorgen machen. Vor ihnen flackerte immer wieder ein dunkelroter Schein, der ganz sacht im Takt ihres Herzschlags zu pulsieren schien, und auch der Schwefelgeruch wurde intensiver. Es war unmöglich, hier unten Entfernungen zu schätzen. Ihr Orientierungssinn hatte sich spätestens in dem Moment verabschiedet, in dem sie Rachel durch die geheime Tür im Keller gefolgt war und ein Stoßgebet zum Himmel geschickt hatte, dass das Mädchen wirklich wusste, was es tat. Dennoch war sie sicher, die Stadt längst verlassen zu haben. Wenn nicht das Land oder gar den Kontinent.

Beka konzentrierte sich ganz darauf, nicht den Anschluss an die schattenhafte Gestalt zu verlieren, in die sich Rachel verwandelt hatte. Immerhin schien der Gang jetzt deutlich breiter und höher zu werden, sodass sie zuerst in die Hocke gehen und eine Weile hinter Rachel herwatscheln konnte, bis er nach einem Klick in einen richtigen begehbaren Tunnel mündete.

Beka atmete auf und trat hinter dem zierlichen Mädchen in ein halb verschüttetes Tunnelsegment mit ehemals weiß gefliesten Wänden hinaus. Das Licht sickerte durch einen breiten Riss in der Decke. Ganz weit entfernt waren Geräusche zu hören, die sie ebenso wenig einordnen konnte wie alles andere. Sie hatten allerdings etwas mit alldem hier gemein: Sie waren beunruhigend.

»Es ist jetzt nicht mehr weit«, behauptete Rachel. »Bleib trotzdem immer dicht hinter mir. Wenn du dich hier unten verirrst, findest du nie wieder raus.«

Obwohl sie jetzt viel näher war als noch vor wenigen Augenblicken, erkannte Beka Rachel nach wie vor nur an ihrem zwergenhaften Wuchs. Alles andere blieb ein grauer Schemen mit sich in beständiger Auflösung befindlichen Umrissen, der sich nur von seiner Umgebung unterschied, wenn er sich bewegte. In Rachels Stimme war ein



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