Gaensehaut 55 - Der Geist im Spiegel by Stine R.L

Gaensehaut 55 - Der Geist im Spiegel by Stine R.L

Autor:Stine, R.L. [R.L., Stine]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Gaesehaut
veröffentlicht: 2014-11-05T00:00:00+00:00


16.

In dieser Nacht lag ich stundenlang wach. Ich wollte nicht in meinem Zimmer schlafen. Aber Mom, Dad und Claudia sollten andererseits auch nicht wissen, dass ich Angst hatte.

Immer wieder musste ich an Buzzy denken, wie er mich wütend angeknurrt und die Zähne gefletscht hatte. Wie er mich angriff und mich biss und zerkratzte.

Was war mit dem armen Hund bloß passiert? Er war doch sonst immer so ruhig und friedlich gewesen.

Dad wusste nicht, wie lange er Buzzy noch in der Garage lassen konnte. Die Nachbarn beschwerten sich schon über sein ständiges Bellen und Jaulen.

Ich warf mich im Bett von einer Seite auf die andere und fragte mich, ob Buzzy je wieder normal werden würde.

Ich musste auch an Fred denken.

Wir waren Freunde seit der ersten Klasse und hatten uns nie ernsthaft gestritten.

Wieso war er unvermittelt auf mich losgegangen?

Ich hatte zu ihm gesagt, er sei bei dem Fußballspiel wie besessen gewesen. Ich hatte das als Kompliment gemeint. Wieso war er dann so zornig geworden? Wieso war er plötzlich durchgedreht?

Ich konnte das alles überhaupt nicht begreifen. Warum war er mit einem Mal so gut beim Fußball? Oder was heißt gut, er war unschlagbar! Und so verbissen, so selbstsicher und aggressiv.

Fred war sonst immer der schlechteste Spieler gewesen. An diesem Vormittag hatte er sich verhalten wie ein völlig anderer Mensch.

Jetzt musste er die Schule verlassen. Ich hatte gehofft, er würde mich am Abend anrufen und sich entschuldigen. Oder mir zumindest die Sache erklären.

Aber das Telefon hatte nicht geläutet.

Ich warf einen Blick auf meinen Radiowecker. Viertel nach zwölf. Ich war gleichzeitig hundemüde und hellwach. So viele verwirrende Fragen gingen mir durch den Kopf. Millionen von Fragen - aber keine Antworten.

Ich schloss die Augen und versuchte, nicht mehr nachzudenken.

Ich stellte mir einen blauen Himmel vor. Und dicke, weiße Wolken. Die Wolken zogen vorbei, eine nach der anderen. Eine Wolke ... zwei... drei...

Ich war gerade dabei einzuschlafen, als ich ein Geräusch vernahm.

Hundegebell?

Ich fuhr hoch und war mit einem Schlag wieder hellwach.

Mit angehaltenem Atem lauschte ich angestrengt.

Wieder ertönte helles Hundegebell, diesmal leiser und weit weg.

Das ist nicht Buzzy, sagte ich mir. Das klingt viel zu weit weg. Es muss ein Hund aus der Nachbarschaft gewesen sein.

Ich legte mich wieder hin.

Doch ein anderes Geräusch ließ mich sofort wieder hochschrecken.

Ich lauschte mit geneigtem Kopf.

Leises Atmen?

Ja. Gleichmäßiges, leises Atmen.

Es kommt aus dem Wandschrank, dachte ich und spähte blinzelnd in den dunklen Raum.

Ich brach nicht in Panik aus, denn ich wusste, das musste Claudia sein.

Claudia versteckte sich doch ständig in meinem Wandschrank, um dann im richtigen Augenblick herauszuspringen und mich zu erschrecken.

Warum gab sie nicht endlich auf? Warum war es Ar so wichtig, mich dauernd zu erschrecken?

Diesmal erschrecke ich sie, beschloss ich.

Ich setzte die Füße auf den Teppich und stand geräuschlos auf.

Das leise, gleichmäßige Atmen wurde zunehmend lauter, als ich auf den Schrank zuschlich.

Ich streckte die Hand aus, um mit einem Ruck die Schranktür aufzureißen. Doch dann hielt ich mitten im Zimmer abrupt inne, als ich merkte...

... als ich merkte, dass das Atmen gar nicht aus dem Schrank kam. Es kam aus dem Spiegel.



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