Gaensehaut 51 - Der Geist ohne Kopf by Stine R.L

Gaensehaut 51 - Der Geist ohne Kopf by Stine R.L

Autor:Stine, R.L. [R.L., Stine]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Gaensehaut
veröffentlicht: 2014-11-05T00:00:00+00:00


18.

Stephanie prallte von hinten gegen mich. Ich streckte panisch die Hände aus und hielt mich an der Wand fest, weil ich sonst die Treppe hinuntergestürzt wäre.

Zum Umkehren und Wegrennen war es zu spät.

Die Schritte wurden lauter und schwerer. Der helle Kegel einer Taschenlampe strahlte erst Stephanie, dann mich an.

Ich kniff geblendet die Augen zusammen und sah eine dunkle Gestalt die Treppe heraufkommen.

»Da seid ihr also!«, ertönte eine tiefe Bassstimme, die von den Wänden widerhallte.

Die Stimme kannte ich.

»Otto!«, riefen Stephanie und ich gleichzeitig aus.

Er blieb vor uns stehen und leuchtete uns abwechselnd mit seiner Taschenlampe an. »Was habt ihr beide hier oben verloren?«, fragte er streng, während er nach Atem rang.

»Öh ... wir haben uns irgendwie verirrt«, sagte ich schnell.

»Ja, die Gruppe war plötzlich verschwunden«, kam Stephanie mir zu Hilfe. »Wir haben versucht sie wieder zu finden.«

»Ja, genauso war's.« Ich nickte heftig. »Wir haben überall gesucht, aber es war zwecklos.«

Otto senkte die Taschenlampe und musterte uns mit zweifelnd zusammengekniffenen Augen. Ich glaube nicht, dass er uns unsere Geschichte abnahm.

»Ich dachte, ihr kennt meine Tour in- und auswendig«, sagte er und rieb sich nachdenklich das Kinn.

»Tun wir ja auch«, beeilte sich Stephanie ihm zu versichern. »Aber wir haben komplett die Orientierung verloren und uns verlaufen. Wir ...«

»Wie seid ihr überhaupt in das oberste Stockwerk gekommen?«, wollte Otto wissen.

»Ah ... na ja.« Ich suchte fieberhaft nach einer Erklärung, aber mir fiel keine einleuchtende Antwort ein. Hilfe suchend drehte ich mich zu Stephanie um, die noch immer eine Stufe über mir stand.

»Wir haben oben Stimmen gehört und dachten, das seien Sie«, erklärte sie Otto.

Streng genommen war das nicht einmal gelogen. Wir hatten ja wirklich Stimmen gehört.

Otto senkte die Taschenlampe weiter und beleuchtete die Stufen. »Na gut, dann lasst uns mal wieder nach unten gehen. Es dürfen sich nämlich keine Besucher im Obergeschoss aufhalten. Das sind Privaträume.«

»Tut uns Leid«, murmelten Stephanie und ich.

»Geht ganz vorsichtig«, warnte Otto uns. »Diese Stiege ist steil und wackelig. Ich bringe euch jetzt zur Gruppe zurück. Edna hat für mich die Führung übernommen, damit ich nach euch suchen konnte.«

Edna war unsere zweitliebste Führerin. Sie war alt, weißhaarig und sah sehr blass und zerbrechlich aus, besonders, wenn sie ihre

schwarze Uniform trug.

Aber sie war eine begnadete Geschichtenerzählerin. Ihre alte, zittrige Stimme nahm einen derart gefangen, dass man ihr die ganzen gruseligen Geschichten wirklich glaubte.

Stephanie und ich liefen bereitwillig hinter Otto die Treppe hinunter in den ersten Stock. Dort gingen wir mit ihm einen der langen Korridore entlang, den ich sehr gut kannte.

Vor Joseph Craws Arbeitszimmer blieben wir stehen. Joseph Craw war Andrews Vater gewesen. Ich spähte hinein und sah, dass im Kamin ein helles Feuer prasselte.

Edna stand davor und erzählte den Besuchern vom tragischen Schicksal des Joseph Craw.

Stephanie und ich hatten die Geschichte bestimmt schon an die hundert Mal gehört: Etwa ein Jahr nachdem Andrew seinen Kopf verloren hatte, kehrte Mr. Craw eines späten Abends im Winter nach Hause zurück. Er legte seinen Mantel ab und stellte sich dann vor den Kamin, um sich aufzuwärmen.

Keiner weiß, wie Joseph Craw verbrannt ist. Sagen jedenfalls Otto, Edna und die anderen Führer.



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