039 - Der Griff aus dem Nichts by Ernst Vlcek

039 - Der Griff aus dem Nichts by Ernst Vlcek

Autor:Ernst Vlcek [Vlcek, Ernst]
Die sprache: deu
Format: epub, mobi
veröffentlicht: 2013-09-07T22:00:00+00:00


Lorna kam langsam näher.

„Freust du dich denn nicht über das Wiedersehen?“ fragte sie.

Dorian stellte sich breitbeinig hinter den Tisch, der zwischen ihnen stand. Als er einen Ausfallschritt nach links machte, sprang sie blitzschnell zur Seite und verstellte ihm den Fluchtweg.

„Aber, Dori-Boy, warum willst du Lorna davonlaufen, die solche Sehnsucht nach dir hat?“

Sie hatte den Tisch erreicht, stützte sich plötzlich mit den Händen auf und schwang sich über die

Tischplatte. Dorian konnte gerade noch ausweichen. Er ergriff Hoppers schweren Sessel und warf ihn Lorna entgegen.

Sie taumelte leicht, kam aber gleich wieder wankend auf die Beine. Ihr Gesicht war einen Moment lang schmerzverzerrt, doch ihre Züge glätteten sich rasch wieder. Ihre Augen funkelten vor Wut. „Das hättest du nicht tun dürfen, Dori-Boy“, sagte sie.

Dorian hatte die Tür erreicht und rannte durch die Empfangshalle auf die Wendeltreppe zu. Als er sie gerade erreicht hatte, erschien Lorna in der Tür. Er hastete die Stufen hinauf, doch noch bevor er sich in Sicherheit gebracht hatte, griff sie mit ihren Armen durch das Geländer und erwischte sein linkes Bein an den Fesseln. Dorian spürte, wie sie daran zog, und verlor den Halt. Er prallte mit dem Rücken auf die Stufen.

„So, Dori-Boy, und jetzt werde ich dir jeden Knochen einzeln brechen.“

Sie ergriff seinen linken Fuß mit beiden Händen und begann ihn langsam und genüßlich zu drehen. Dorian trat verzweifelt um sich und traf sie mit der Schuhspitze in die Augen. Sie heulte auf und ließ ihn los.

Er nutzte diese Atempause, um sich aufzuraffen und das letzte Stück der Wendeltreppe hochzurasen. Im Partyraum ergriff er einen schweren Blumentopf und schleuderte ihn hinunter. Aber Lorna konnte noch rechtzeitig zur Seite springen. Ihr höhnisches Lachen klang schaurig zu ihm herauf. Er schmiß noch einen zweiten Blumentopf hinterher, dann zog er sich zu der Tür zurück, die ins Stiegenhaus führte. Er sah, daß der Schlüssel von innen steckte, zog ihn ab und versperrte von der anderen Seite die Tür. Sie war massiv, und er hoffte, daß sie Lornas Ansturm lange genug standhalten würde, um ihm einen genügend großen Vorsprung zu geben.

Er mußte aus dem Haus und ins Freie. Solange er innerhalb dieser Mauern war, saß er in der Falle. Lorna würde ihm überallhin folgen.

Er hastete die Treppe hinunter, doch schon nach fünf Stufen blieb er stehen. Lorna lächelte von unten zu ihm herauf.

„Habe ich mir doch gedacht, daß du mir den Spaß verderben möchtest, Darling“, sagte sie und schlich sich wie eine Raubkatze die Treppe herauf. „Aber daraus wird nichts. Du weißt doch, was ich dir prophezeit habe?“

Sie schlich erst mit geschmeidigen Bewegungen über die Treppe und im nächsten Augenblick raste sie wie ein Wirbelwind die Stufen hinauf. Das geschah so plötzlich, daß Dorian erst floh, als sie ihn schon fast erreicht hatte. Es gelang ihm gerade noch, die Tür, die zum Krankentrakt führte, aufzureißen und hinter sich

zuzuschlagen. Der Türflügel stieß wuchtig gegen Lorna, konnte sie jedoch nicht aufhalten. Sie rannte einfach durch die Türfüllung als bestünde sie aus Papier.

Dorian kam am Schwesternzimmer vorbei und sah dort Carol liegen. Ihre Schwesterntracht war zerfetzt, ihr Kopf hing herunter.



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